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Werner Schrangl, AT

Geschäftsführer JOB WORLD KG und stv. Vorsitzender CSR Dialogforum

Wie sehen Sie der Entwicklung der Zukunft entgegen, wenn Sie an die großen Herausforderungen der Menschheit denken, wie zB verheerende Folgen des Klimawandels, Umweltverschmutzung, radikaler Raubbau am Planeten?

Angesichts dieser aktuellen großen globalen Herausforderungen müssen UnternehmerInnen eine Vorreiterrolle für Sustainable Entrepreneurship einnehmen. Denn nur wer nachhaltig wirtschaftet, kann Gewinnstreben und gesellschaftliche Verantwortung erfolgreich vereinen. Es ist unumstritten, dass Unternehmen, die auf nachhaltiges Wirtschaften setzen, klare Wettbewerbsvorteile gegenüber dem Mitbewerb generieren. Gerade wenn es darum geht, um als Unternehmen zukunftsfähig zu bleiben, ist das Engagement im Bereich Nachhaltigkeit unabdingbar.

Mit dem SEA – Sustainable Entrepreneurship Award werden gezielt Projekte/Unternehmen identifiziert und unterstützt, welche Lösungen für genau diese Herausforderungen entwickelt haben. Was denken Sie über diese Initiative?

Diese Initiative ist sehr wichtig, um praxisnahe Erfolgsmodelle einer möglichst breiten Masse (national und international) zugänglich zu machen. Was den SEA besonders macht ist, dass durch eine SEA-Nominierung bzw. Teilnahme Unternehmen, die ihre gesellschaftliche Verantwortung vorbildhaft in allen Bereichen ihres Handelns erfolgreich integrieren, von einem positiveren Image in der Öffentlichkeit und einer erhöhten medialen Präsenz profitieren.

Welche Wirtschaftsbereiche sind Ihrer Meinung nach weit vorne, wenn es darum geht, Sustainable Entrepreneurship zu leben und welche haben noch Aufholbedarf?

Die österreichische Land- und Fortwirtschaft liegt bez. nachhaltiger Bestrebungen international im Spitzenfeld (besonders große Anzahl an Bio-Betrieben, deutliche Verringerung der Treibhausgasemissionen, nachhaltigere Anwendung von Pflanzenschutzmitteln etc.). Weitere Branchen die eine TOP-Position einnehmen sind: E-Mobilität, nachhaltige Finanzwirtschaft sowie ökoeffiziente Produktion von Konsumgütern des täglichen Bedarfs (z. B. Kosmetik, Kleidung und Nahrungsmittel). Besonders in den Bereichen nachhaltiges Bauen, Stromerzeugung aus regenerativen Energiequellen, sowie Optimierung der Abfallwirtschaft bzw. schonender Umgang mit Ressourcen besteht nach wie vor enormer Aufholbedarf.

Sie sind Geschäftsführer von Job World KG und stellvertretender Vorsitzender des CSR Dialogforums. Wie sieht Ihre Strategie aus, wenn es darum geht, den ein neues Verständnis in der Wirtschaft zu etablieren?

Bei JOB-WORLD liegt das Thema Nachhaltigkeit in meinem Verantwortungsbereich als Geschäftsführer und wird auch von mir vorgelebt. Dies ist immer der Grundstein für eine erfolgreiche Umsetzung von Nachhaltigkeitsaktivitäten. Verantwortungsvolles Handeln bedeutet für uns „einen Schritt voraus zu denken“ und auch den zukünftigen Generationen die gleichen Chancen auf die Gestaltung ihres Lebens zu ermöglichen. Der schonende Umgang mit den ohnehin knappen Ressourcen ist dabei für uns ein Unternehmensgrundsatz. D. h., unsere MitarbeiterInnen werden dafür sensibilisiert, mit Büromaterialien sparsam umzugehen und z. B. Fehldrucke als Notizzettel wiederzuverwenden.
Hervorzuheben ist bei JOB-WORLD auch die familienorientierte Arbeitszeitgestaltung durch individuell abgestimmte Arbeitszeitmodelle mit Home Office-Option. Des Weiteren werden Frauen besonders ermutigt, sich für Führungspositionen und Technik-Berufe zu bewerben. Außerdem investieren wir laufend in die Gesundheitsförderung und Weiterbildung des Personals.
Neben der klassischen Personalvermittlung ist Job-World auch auf das Recruiting von stark gefragten Fachkräften im Bereich Green-Technology spezialisiert. Zusätzlich ist unser vorbildliches Engagement im CSR Dialogforum (Verein zur Förderung nachhaltigen Wirtschaftens) zu erwähnen.

Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Konsumenten – wer sollte die treibende Kraft im Prozess zur Beschleunigung des Umdenkprozesses hin zu einer völlig neuen Business-Ethik sein?

Wir brauchen alle diese Kräfte, damit Sustainable Entrepreneurship zum Geschäftsmodell der Zukunft wird, von dem Wirtschaft und Gesellschaft (über Grenzen hinweg) gleichermaßen profitieren. Dabei sind wir mehr als je zuvor künftig auf besonders innovative und ihrer Verantwortung bewussten Unternehmen angewiesen. Die Politik muss deshalb entsprechende verbesserte Rahmenbedingungen schaffen, die das Entstehen nachhaltiger Geschäftsmodelle ermöglichen.

Wie schätzen Sie die Rolle und Position von Österreich im Kampf gegen den Klimawandel und die anderen, großen, ökologischen Herausforderungen ein?

In Österreich haben bereits viele UnternehmerInnen (vor allem Start Ups) die Chancen von Sustainable Entrepreneurship erkannt und integrieren Nachhaltigkeitsaspekte erfolgreich in ihre Unternehmensstrategie. Große Bedeutung kommt der Existenz zahlreicher „Leuchtturmprojekte“ aus den unterschiedlichsten Branchen zu, die auch international als Vorbild für gesellschaftliche Unternehmensverantwortung und nachhaltiges Wirtschaften fungieren. All diese Vorzeigeprojekte sollen möglichste viele Menschen für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisieren und dazu motivieren, selbst aktiv zu werden, um die weltweite Klimaproblematik und die großen gesellschaftlichen Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen.

Der SEA zeichnet jedes Jahr außergewöhnliche Projekte/Unternehmen aus, die nach dem Prinzip Sustainable Entrepreneurship arbeiten. Was hat Sie überzeugt, diese Idee zu unterstützen?

Der SEA – die Auszeichnung für besonders verantwortungsvolles Wirtschaften – ist für mich eine tolle Veranstaltung, die wertvolle und interessante Einblicke in die nachhaltigen Unternehmensaktivitäten auf nationaler und internationaler Ebene ermöglicht. Die starke Vernetzung sowie der intensive Erfahrungsaustausch mit AkteurInnen der Nachhaltigkeitsszene liefern wichtige Impulse für Innovationen und sorgen dafür, dass aus (nachhaltigen) Ideen Erfolge werden.

Wie kann jeder einzelne persönlich dazu beitragen, dass dieses neue, wirtschaftliche Verständnis rasch an Bedeutung gewinnt und letztendlich DAS Wirtschaftsmodell der Zukunft wird?

Sustainable Entrepreneurship muss in Zukunft ein integraler Bestandteil jeder Unternehmensstrategie werden und jeder Unternehmer bzw. jede Unternehmerin einen wichtigen Beitrag dazu leisten. Das Thema nachhaltiges Wirtschaften sollte dabei direkt bei der Geschäftsführung angesiedelt werden (Top-Down-Ansatz). D. h., das Management muss als Vorbild fungieren und MitarbeiterInnen zu nachhaltigen Verhaltensweisen sowohl im beruflichen als auch privaten Alltag motivieren. Denn die im Rahmen der Berufstätigkeit gemachten Erfahrungen haben ein sehr großes Potential, im Privaten weiterzuwirken und rasch weitere Personen zu erreichen. Jeder Einzelne kann (und sollte), das Bewusstsein für nachhaltiges, verantwortungsvolles Handeln schärfen und dies wiederum entsprechend nach außen kommunizieren.

Und letzte Frage: Haben Sie ein besonders beeindruckendes Beispiel für Sustainable Entrepreneurship?

Bei Iss Mich! Bio-Catering wird Bio Gemüse und Obst, welches aus ästhetischen Gründen nicht im Handel verkauft wird, zu größtenteils vegetarischen bzw. veganen Speisen verarbeitet, die man ins Büro oder nach Hause liefern lassen kann. Zudem ist es auch möglich Iss Mich! als Catering für Veranstaltungen zu buchen. „Iss Mich!... anstatt mich wegzuwerfen“ ist ein sehr nachhaltiges Konzept, das einen wichtigen Beitrag zur Reduktion der Lebensmittelverschwendung leistet. Das aussortierte Gemüse wird schonend zu Gerichten verarbeitet und eingemacht. Die wiederverwertbaren Einmachgläser sind Pfandgläser, was wiederum den Verpackungsmüll drastisch reduziert. Ausgeliefert wird mit dem Fahrrad und somit CO2-Ausstoß-frei. In Kooperation mit diversen sozialen Einrichtungen werden bei Iss Mich! Menschen, die einen erschwerten Arbeitsmarktzugang haben z. B. junge Mütter, langzeitarbeitslose Jugendliche oder MigrantInnen beschäftigt. Das Iss Mich! Bio Catering-Unternehmen beeindruckt insbesondere durch die innovative Herangehensweise an das Thema „Lebensmittelverschwendung“ und die Verankerung von Sustainable Entrepreneurship entlang der gesamten Wertschöpfungskette.