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Stefan Grafenhorst

Refernt für Nachhaltigkeit & Corporate Responsibility Greiner Group

Mit dem SEA – Sustainable Entrepreneurship Award werden herausragende Projekte im Bereich Sustainable Entrepreneurship ausgezeichnet. Was denken Sie über diese Initiative?

Innovationen entstehen nicht einfach aus dem Nichts heraus. Sie sind das Resultat beharrlicher Arbeit von Menschen, die außerhalb gängiger Maßstäbe denken und bereit sind neue Wege zu gehen. Ich denke, die Gesellschaft als Ganzes muss diese Menschen ermutigen und unterstützen, wo immer dies möglich ist. Der Sustainable Entrepreneurship Award ist eine wichtige Möglichkeit, neue Ideen zu unterstützen, die diese Welt auch in Zukunft zu einem besseren Ort machen. Darum sind wir bei Greiner stolzer Partner des Sustainable Entrepreneurship Award. Wir sind davon überzeugt, dass diese Initiative das Potenzial hat, dauerhafte Lösungen für soziale und ökologische Herausforderungen auf der ganzen Welt zu fördern.

Was hat Sie veranlasst, Mitglied der SEA-Jury zu werden?

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir unsere Geschäftsabläufe systematisch ändern müssen. Wir müssen unsere Geschäftsmodelle grundsätzlich überdenken. Der Sustainable Entrepreneurship Award zielt darauf ab, diesen notwendigen Wandel voranzutreiben. Deshalb könnte ich mir keine aufregendere oder ehrgeizigere Rolle vorstellen, als Teil der Jury des Sustainable Entrepreneurship Award zu werden.

Was bedeutet Sustainable Entrepreneurship für Sie persönlich?

In den letzten zwei Jahrzehnten haben Globalisierung und Digitalisierung massive Verbesserungen gebracht und den Lebensstandard für viele hundert Millionen Menschen auf der ganzen Welt verbessert. Gleichzeitig sind Phänomene wie Ungleichheit, Urbanisierung, soziales Ungleichgewicht oder Umweltprobleme, wie der Klimawandel, vermehrt zu Tage getreten. Für mich persönlich ist nachhaltiges Unternehmertum das Hauptelement, um diesen Herausforderungen entgegen zu treten und der Schlüssel für ein glänzendes 21. Jahrhundert.

Warum brauchen wir Ihrer Meinung Sustainable Entrepreneurship?

Traditionelle Geschäftsmodelle liefern uns offenbar nicht die benötigten Lösungen, um die globalen Herausforderungen anzugehen, mit denen wir uns konfrontiert sehen. Das Beispiel des Entwicklungslandes Afrika zeigt, dass nachhaltiges Unternehmertum mehr denn je benötigt wird. Der "Trickle-Down-Effekt", bei dem der von den traditionellen Unternehmen erwirtschaftete Wohlstand für einige Wenige eine "Win-Win-Situation" erzeugt, indem er angeblich Wohlstand für alle bereitstellt - zu lange die Quelle falscher Hoffnungen - ist leider nicht eingetreten. Ich glaube, nachhaltiges Unternehmertum kann darauf die Antwort sein.

Wie verankert ist das Prinzip der Sustainable Entrepreneurship heute bereits in den Köpfen der Menschen, aber vor allem im Handeln der Unternehmen z.B.: in China?

Nachhaltiges Verhalten und Überlegungen zur Nachhaltigkeit sind längst nicht mehr nur ein Thema für „Öko-Krieger“ oder Randaktivisten. Nachhaltigkeit ist Mainstream. Dank der digitalen Revolution sind die ökologischen und sozialen Folgen unseres Handelns kein Geheimnis mehr. Niemand kann Unwissenheit geltend machen. Diese Entwicklung stimmt mich sehr optimistisch. Es schafft gleichzeitig Druck und Anreize zur Veränderung.

Es hat den Anschein, als wäre Sustainable Entrepreneurship im Allgemeinen nach Krisen noch wichtiger geworden. Warum führen oftmals erst Krisen zu Bewusstseinsänderungen, sowohl in der Wirtschaft, wie auch in Politik und Gesellschaft?

Ich bin überzeugt, dass jede Krise den weisen Menschen auch Chancen bietet. Ich stimme zu, dass die gegenwärtige Umwelt- und Sozialkrise neue Türen in Bezug auf Neudenken, höhere Risikobereitschaft und grundlegendere Veränderungen öffnet. Ich denke, dass die Menschen mehr denn je wissen, dass wir einen entscheidenden Punkt erreicht haben. Es ist ein bisschen wie jetzt oder nie. Die Frage ist: Zerstören wir den Planeten oder wird der Planet uns zerstören?

Politik, Wirtschaft, Gesellschaft – wer sollte die treibende Kraft im Prozess rund um Sustainable Entrepreneurship sein?

Ich bezweifle, dass es nur die eine treibende Kraft für Veränderung gibt. Die Entwicklung eines nachhaltigen Unternehmertums stellt eine gemeinsame Herausforderung dar und wir haben noch einen weiten Weg vor uns. Die Politik wird bestimmt eine Rolle bei der Festlegung der rechtlichen Rahmenbedingungen spielen. Gleichzeitig müssen traditionelle, wirtschaftliche Akteure ihre Geschäftsmodelle überdenken und Gesellschaft sowie Verbraucher müssen ihr Konsumverhalten überdenken. Verschiedene Dinge müssen zusammenkommen.

Auf welche Weise kann jeder Einzelne von uns zur Unterstützung von Sustainable Entrepreneurship beitragen?

Verbraucher und Bürger haben eine enorme Macht. Ihr Verhalten kann nachhaltiges Denken belohnen und obsolete Geschäftsmodelle bestrafen. Ich denke, Bildung und Sensibilisierung sind wichtig. Die Zivilgesellschaft spielt hier eine entscheidende Rolle. Deshalb ist der Sustainable Entrepreneurship Award eine so wertvolle Initiative.

Wie kann verhindert werden, dass Maßnahmen für Sustainable Entrepreneurship nichts weiter als ein grünes Mäntelchen sind? Welche interne Maßnahmen und Methoden müssen angewandt werden?

Es gibt sicherlich Unternehmer, die Nachhaltigkeit nicht ernst nehmen. Sie sehen es als ein PR-Instrument und verstehen die grundlegende benötigte Veränderung und die damit verbundenen, großen Chancen nicht. Diese Organisationen werden irgendwann aufgedeckt. Die Verbraucher werden sich von ihnen abwenden und schließlich werden sie auch keine Zulieferer mehr finden. Selbst der Druck der eigenen Mitarbeiter wird zunehmen. Es wird auch den Effekt haben, diese Organisation in den Augen der Öffentlichkeit zu stigmatisieren.