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Prof. Dr. Frank-Martin Belz

Chair of Corporate Sustainability, Technische Universität München - TUM School of Management

Als Professor der TU München lehren und forschen Sie auf dem Gebiet der Nachhaltigkeits-Innovationen und des Nachhaltigkeits-Marketings. Welchen Stellenwert hat Sustainable Entrepreneurship im Hochschul- und Bildungswesen?

Unternehmertum im Allgemeinen und nachhaltiges Unternehmertum im Wesentlichen gewinnen an Sichtbarkeit und Rechtmäßigkeit, in akademischen Bildungsprogrammen europaweit.
Vielleicht etwas wichtiger auch durch eine wachsende Zahl an jungen Menschen, welche darauf brennen ihr eigenes Geschäft zu eröffnen, mit einem sozialen und umweltfreundlichen Aspekt. Sie möchten einen positiven Einfluss auf ihre Umgebung und im größeren Sinne auch auf die Welt haben. Mit diesem Hintergrund wächst die Erkenntnis, dass auch das Bildungssystem die nötigen Fähigkeiten und das nötige Wissen um dies Umzusetzen, vermitteln muss.

Warum brauchen wir nachhaltiges Unternehmertum?

Ganz einfach, für eine bessere Zukunft. Nachhaltige Innovation und Unternehmertum wird eine essentielle Rolle spielen um unsere Gesellschaft und Wirtschaft von einem nicht nachhaltigen Model der Produktion in ein nachhaltiges Model zu wandeln.

Wie verankert ist das Prinzip des Sustainable Entrepreneurship bereits heute in den Köpfen der Menschen, aber vor allem im Handeln der Unternehmen?

Anhand von Information und Bildung, sind sich bereits viele bewusst welche komplexen Herausforderungen unsere Welt von heute gegenübersteh - von Armut bis hin zu Klimawandel. Wie auch immer, wenn wir die Lücke zwischen Bewusstsein und Handeln schließen möchten, müssen wir das System verändern und die Preise richtig setzen, zum Beispiel durch die Bereitstellung von wirtschaftlichen Anreizen, welche Personen und Institutionen zu nachhaltigem Benehmen ermutigen.

Es hat den Anschein, als wäre das Thema nachhaltiges Unternehmertum im Allgemeinen nach der Krise noch wichtiger geworden. Teilen Sie diese Meinung? Und warum führen oftmals erst Krisen zu Bewusstseinsänderungen, sowohl in der Wirtschaft, wie auch in Politik und Gesellschaft?

Die Finanz-, Wirtschafts- und Sozialkrise haben die Menschen aufmerksam gemacht, dass das gesamte System nicht nachhaltig ist und das tiefe Veränderungen notwendig sind um den derzeitigen “way of life” auszugleichen. Wir haben viele neue nachhaltige Unternehmen gesehen, welche in der Folgezeit der Krisen gegründet wurden. Das sind gute Zeichen und ein Hoffnungsschimmer.

Mit dem SEA - Sustainable Entrepreneurship Award werden international herausragende Projekte/Unternehmen/Ideen  im Bereich Sustainable Entrepreneurship ausgezeichnet. Was hat Sie bewogen, der Jury des SEA beizutreten?

Der SEA bietet eine großartige Gelegenheit für uns, um unsere Forschung über nachhaltiges Unternehmertum in der Praxis umzusetzen. Mit dem Teilen unserer Einblicke mit der breiteren SEA-Umgebung, hoffen wir einen echten Einfluss darauf zu nehmen, die dynamische und aufregende Agenda voranzutreiben.  

EU-InnovatE ist neuer, strategischer Partner des SEA und im Zuge dessen werden Sie und Ihr Team in diesem Jahr gemeinsam mit dem SEA-Team die Bewertungskriterien für den Jury-Auswahlprozess des SEA 2015 erarbeiten. Worin liegen dabei die großen Herausforderungen?

Die Hauptaufgabe ist es die dreifache Quintessenz von neuen nachhaltigen Unternehmen zu evaluieren. Das verfolgen dieser Endresultate ist keine leichte Behauptung und besteht auf viele Abstimmungen. . Zum Beispiel: Sind neue nachhaltige Unternehmen mit einem guten Zweck auf längere Sicht durchführbar? Müssen sie Kompromisse im Sinne von sozialen und ökologischen Problemen eingehen um kurzfristig zu überleben? Wenn wir besser verstehen, wie neue nachhaltige Unternehmen hervortreten und florieren, dann sind wir fähig neue Gegebenheiten für die Zukunft zu erschaffen.

Sie sind der Leiter des EU-InnovatE-Programms der Europäischen Kommission, welches gerade auch Partner des SEA geworden ist. Worum geht es genau bei diesem Programm und welche Ziele verfolgen Sie damit?

Wir möchten die Rolle der Verbraucher untersuchen und ihren Einfluss auf die Entstehung von neuen nachhaltigen Innovationen und Firmen. Wir sehen großes Potential um eine grüne Wirtschaft in Europa umsetzen zu können, wenn Verbraucher dazu angeregt werden diese Veränderung anzuführen und zu inspirieren.  

Welche Vorteile bringt die Zusammenarbeit mit dem SEA für das EU-InnovatE-Programm?

EU-InnovatE führt großräumige Forschung über nachhaltiges Unternehmertum und die Aussicht  auf nachhaltigen Lifestyle in Europa bis 2050 durch, dank eines großen Zuschusses von der Europäischen Kommission. Die strategische Partnerschaft mit dem SEA eröffnet uns eine große Möglichkeit unsere neuesten Resultate auf die Praxis umzulegen und eine Veränderung in Europa und darüber hinaus zu ermöglichen. Es ist eine perfekte win-win Situation.

Politik, Wirtschaft, Gesellschaft – wer sollte die treibende Kraft im Prozess rund um Sustainable Entrepreneurship sein?

Wie üblich gibt es keine einzelnen Kräfte: Es ist eine Frage der geteilten Verantwortung. Unternehmer müssen neue nachhaltige Produkte und Services kreieren um eine Veränderung herbeizuführen. Politiker müssen das richtige System implementieren und Anreize für neue nachhaltige Unternehmen schaffen. (z.B.: Information, Finanzwesen) um eine Änderung zu realisieren.

Wie kann man verhindern, dass SE-Maßnahmen nicht reines „Greenwashing“ sind?

Ein genauer Blick auf die Schlussfolgerung der wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Ziele ist wichtig. Ich glaube das „Greenwashing“ sich auf längere Frist nicht auszahlt, besonders nicht in der modernen Welt welche hochgradig vernetzt, digitalisiert und transparent ist.

Zum Schluss eine persönliche Frage: Welches SE-Projekt ist Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben – und warum?

Nachdem ich ein neues Mitglied der SEA-Jury bin, möchte ich die Frage in nächster Zukunft beantworten, genauer nach der Revision und des Selektierungsprozesses der Projekte im Jahr 2015. Bitte zögern Sie nicht mich nach der Gala-Preisverleihung im November noch einmal zu fragen!