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Othmar Karas, AT

EVP-Vizepräsident MEP

Mit dem sea zeichnet der Club of sustainable entrepreneurs – Verein für nachhaltiges Wirtschaften herausragende Projekte im Bereich Sustainable Entrepreneurship aus. Wie bewerten Sie diese Initiative?

Die europäische Dimension dieses Preises ist mir wichtig. Gesellschaftliches Engagement und Nachhaltigkeit hören in einer globalisierten Welt ja nicht an Staatsgrenzen auf. Unternehmen agieren schon längst europaweit und weltweit. Daher braucht es auch nicht nur regionale und nationale Preise für CSR, sondern europaweite Preise, die Benchmark und Vergleichbarkeit in Europa fördern. So kann man europaweit von anderen Unternehmen lernen, soziale und nachhaltige Innovationen erfahren und Best Practice-Beispiele transportieren.

Was bedeutet für Sie persönlich Sustainable Entrepreneurship?

Sustainable Entrepreneurship oder Corporate Social Responsibility sind Beiträge von Unternehmen für eine nachhaltige Entwicklung, also eine Entwicklung die den Bedürfnissen auch kommender Generationen gerecht wird. Sie sind gelebte Öko-soziale Marktwirtschaft.

Warum brauchen wir Sustainable Entrepreneurship?

Sustainable Entrepreneurship und CSR sind notwendig, um strukturiert und systematisch Verantwortung von Unternehmen durch Einbeziehung sozialer und ökologischer Kriterien in eine ganzheitliche unternehmerische Strategie umzusetzen. Nachhaltigkeit ist eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg europäischer Unternehmen und auch für die Zukunftsfähigkeit Europas und der Welt entscheidend.

Wie verankert ist das Prinzip der Sustainable Entrepreneurship heute bereits in den Köpfen der Menschen, aber vor allem im Handeln der Unternehmen?

Ich denke, hier gibt es noch viel Luft nach oben. Auch wenn sich zahlreiche Unternehmen damit auseinandersetzen oder zumindest darüber reden, so ist es in Unternehmen und auch in der Politik noch nicht Mainstream geworden. Der sea Preis soll Unternehmen und die Politik ermutigen diesen Weg entschiedener zu beschreiten und verantwortungsvolle und nachhaltige Unternehmensführung auf eine höhere Ebene zu bringen. Auf eine Eben, wo Nachhaltigkeit beziehungsweise CSR strategisch geplant, umgesetzt und genützt werden, und wo nicht einfach nur darüber geredet, wird. Kurz: Vom Reden also ins Tun kommen, denn tun, was man sagt, schafft Glaubwürdigkeit und Vertrauen.

Es hat den Anschein, als wäre Sustainable Entrepreneurship im Allgemeinen nach der Krise noch wichtiger geworden. Teilen Sie diese Meinung? Und warum führen oftmals erst Krisen zu Bewusstseinsänderungen, sowohl in der Wirtschaft, wie auch in Politik und Gesellschaft?

Die Krise hat auch aufgezeigt, dass der eingeschlagene Weg in manchen Bereichen nicht nachhaltig genug ist, dass Verantwortungslosigkeit die Krisen hervorgerufen hat und leider noch immer verstärkt. Aus Krisen können wir lernen, indem wir die richtigen Schlussfolgerungen ziehen. Daher müssen wir diese Krise nutzen, um unser Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell an der einen oder anderen Stelle nachzujustieren, zu regeln und zu verändern. Ich bin überzeugt, dass die Weichen nun vielmehr in Richtung Nachhaltigkeit und verantwortungsvolles Handeln in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft gestellt werden.

Welche Branchen sehen Sie als besonders vorbildlich an, wo sehen Sie noch deutlichen Aufholbedarf in Bezug auf Sustainable Entrepreneurship?

Jedes Unternehmen trägt in seinem Wirkungsumfeld Verantwortung; unabhängig von Branche, Nationalität oder Größe. So gibt es auch innerhalb der Branchen und Nationen sowohl Vorbilder an Nachhaltigkeit als auch verantwortungslose und nicht nachhaltige Unternehmen. Mir ist wichtig, dass nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Wirtschaften kein Nachteil, sondern ein Vorteil für unsere Unternehmen und deren Mitarbeiter ist.

Politik, Wirtschaft, Gesellschaft – wer sollte die treibende Kraft im Prozess rund um Sustainable Entrepreneurship sein?

Alle zusammen. Es braucht eine Bündelung der Kräfte, nur dann kommen Lösungen zustande die tragfähig und dauerhaft sind – sowohl auf europäischer, auf nationaler und auf regionaler Ebene. Die künftige Wirtschafts-und Gesellschaftsordnung wird stark von gelebten Kooperationen geprägt sein.

Wie kann jeder einzelne persönlich beitragen, dass Sustainable Entrepreneurship noch mehr an Bedeutung gewinnt?

Indem man kritisch zu sich selbst und zu anderen ist, indem man reflektiert, ob die alltäglichen Handlungen und Entscheidungen nachhaltig sind und indem man sich fragt, was für einen Beitrag man selbst dazu leisten kann.

Wie kann man verhindern, dass SE-Maßnahmen nicht nur sogenanntes Greenwashing sind? Welche Maßnahmen und Methoden sind dazu intern anzuwenden?

Authentische Maßnahmen und Aktionen von Unternehmen und deren Beteiligten verhindern per se Greenwashing. Ebenso braucht es eine kritische Zivilgesellschaft, die sowohl Greenwashing anprangert, aber andererseits auch gute Beispiele würdigt und vor den Vorhang holt, wie dies der sea Preis tut.

Welche Rolle spielen die MitarbeiterInnen im SE-Prozess?

Mitarbeiter haben eine der wichtigsten Funktionen im Unternehmen, da nachhaltige Maßnahmen größtenteils von Mitarbeitern umgesetzt werden. Wichtig ist aber auch das Vorleben der Unternehmensführung und die Ermunterung zu nachhaltigem Engagement.