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Nikolaus Berlakovich, AT

ehemaliger Umweltminister

Der sea zeichnet herausragende Projekte im Bereich Sustainable Entrepreneurship aus. Wie beurteilen Sie diese Initiative?

Ausgangspunkt meiner politischen Arbeit ist, dass Ökologie und Ökonomie vereinbar sind. Diese Auszeichnung holt Praxisbeispiele vor den Vorhang. Jedes Unternehmen, das sich der umweltverträglichen Unternehmensführung widmet, trägt dazu bei, dass dieser früher oft herbeigeredete Widerspruch aus den Köpfen der Menschen verschwindet.

Was bedeutet Sustainable Entrepreneurship für Sie persönlich?

Für mich bedeutet es, ein Unternehmen so zu führen, dass es seine betrieblichen Ziele erreicht und die entstehenden Umweltauswirkungen so gering wie möglich gehalten werden.

Es hat den Anschein, als wäre Sustainable Entrepreneurship gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten besonders wichtig. Warum führen oftmals erst Krisen zu Bewusstseinsänderungen?

Weil Krisen sich sehr häufig auch finanziell niederschlagen und zum Umdenken zwingen. Ein Beispiel: Oft sind es hohe Energiepreise, die zum gezielten Energiesparen veranlassen. Wer aber Energie spart, spart Geld, senkt CO2-Emissionen und orientiert sich am Prinzip der Nachhaltigkeit.

Wie verankert ist das Prinzip der Sustainable Entrepreneurship heute bereits in den Köpfen der Menschen, aber vor allem im Handeln der Unternehmen? Wie beurteilen Sie die Position der österreichischen Unternehmen im Bereich SE?

Ich registriere ein stark wachsendes Bewusstsein. Zum einen gibt es eine Fülle von Unternehmen, die mit oft großer Innovationskraft ihren Alltag ökologisch ausrichten. Zum anderen wächst die Zahl jener, die Umweltschutz zum eigentlichen Betriebsziel haben. Aktuell zählen wir in Österreich rund 200.000 Beschäftigte in Green Jobs. Das bedeutet einen Zuwachs von 3,7 Prozent, was gerade in Krisenzeiten sehr bemerkenswert ist.

Welche Branchen sehen Sie als besonders vorbildlich an, wo gibt es noch deutlichen Aufholbedarf in Bezug auf Sustainable Entrepreneurship?

Ich glaube, dass sich das nicht so sehr an Branchen festmachen lässt, sondern an den Leitlinien und dem tatsächlichen Agieren der Unternehmen selbst.

Politik, Wirtschaft, Gesellschaft – wer sollte die treibende Kraft im Prozess rund um Sustainable Entrepreneurship sein?

Die Kräfte müssen ineinandergreifen. Die Politik steckt Rahmenbedingungen in Form von Gesetzen, Verordnungen oder Förderungen ab. Die Wirtschaft hat ein grundlegendes Eigeninteresse, ihre Produkte und Dienstleistungen innerhalb dieser Rahmenbedingungen zu platzieren. Und die Verbraucher haben die Marktmacht, nachhaltig produzierten Gütern und Dienstleistungen zum Erfolg zu verhelfen.

Welches SE-Projekt ist Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben – und warum?

Auf Besuchen in ganz Österreich habe ich schon so viele vorbildliche Betriebe kennengelernt, dass es unfair wäre, einzelne herauszugreifen. Die Bandbreite Österreichs ist jedenfalls beeindruckend.