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Marc R. Pacheco, US

US-Senator des Bundesstaates Massachusetts, Vorsitzender des Massachusetts Senatsausschuss für globale Erwärmung und Klimawandel

Was bedeutet für Sie persönlich Sustainable Entrepreneurship?

Nachhaltigkeit ist ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt. Entrepreneurship ist ein sehr wichtiges Element davon, denn es hilft, unsere Umwelt zu verbessern. Und wenn es richtig gemacht ist, dann wird damit auch der Nettogewinn der Unternehmen etwas „grüner“. Die Bemühungen des SEA sind von höchster Wichtigkeit dafür, die Visionen der Umweltschutz-Community in die Tat umzusetzen. Ohne Unternehmer, die auch wirklich nachhaltig arbeiten, werden wir nie erleben, dass diese Träume verwirklicht werden.

Wie tief ist Ihrer Meinung nach Sustainable Entrepreneurship bereits in den Köpfen der Menschen und vor allem im Handeln der Unternehmen verankert?

In den USA ist gerade zu beobachten, dass Unternehmen viel mehr Aktivitäten in diese Richtung setzen. Einige Bereiche haben bereits rasche Fortschritte gemacht, wie zum Beispiel die Umwelttechnologie- oder die Baubranche. Aber die Bewegung ist bisher noch nicht so aggressiv, wie ich persönlich es gerne hätte. Ich bin stolz darauf, aus Massachusetts zu stammen, einem Staat, der in den USA die Nummer eins bei Energieeffizienz ist und der sich auch in allen anderen Nachhaltigkeitsbereichen sehr rasch entwickelt. Es gibt viele weitere Bundesstaaten, die in den USA eine Führungsposition einnehmen. Das Problem ist, dass noch kein Konsens darüber besteht, wie wir auch auf der Bundesebene weiterkommen können; wir haben 50 einzelne Staaten und eine komplizierte politische Struktur. Aber wir sind schon sehr nahe an einem Wendepunkt, der uns einem Konsens näher bringt.

Gibt es Unterschiede zwischen den USA und Europa?

Ich glaube, Europa steht mit seinen Aktivitäten in puncto Nachhaltigkeit weltweit an der Spitze. Was nicht nur in Österreich, sondern in vielen europäischen Ländern bereits geleistet wurde, ist ganz außerordentlich. Aber wir sind in Amerika noch weit davon entfernt. Es gibt jetzt aber auch viele Ähnlichkeiten zwischen US-Bundesstaaten und europäischen Staaten. Warum ziehen wir dann nicht an einem Strang? Mit einer verstärkten Kooperation zwischen der EU und den USA können wir das.

Ich habe manchmal das Gefühl, dass Sustainable Entrepreneurship als Folge der Krise noch mehr an Bedeutung gewonnen hat. Stimmen Sie dem zu?

Ja, absolut. Nicht nur in der EU, sondern überall auf der Welt ist eine Debatte im Gange, wie viel wir in Bemühungen, die Klimakrise zu lösen, und in Nachhaltigkeit investieren sollen. Ich glaube, dass Nachhaltigkeit ein hervorragendes Investment ist. Es wirft Dividenden ab und bietet neue Möglichkeiten, Arbeitsplätze zu schaffen. In den USA und den EU-Ländern haben wir eine Menge Möglichkeiten, zusammenzuarbeiten und die von uns entwickelten Technologien und Kompetenzen zu vermarkten.

Politik, Wirtschaft, Gesellschaft. Was glauben Sie, sollte die treibende Kraft für die weitere Entwicklung sein?

Letztlich sollten sich in diesem Bereich alle gegenseitig stützen. Wir müssen alle dasselbe Ziel ansteuern. Wir müssen die Prozesse ständig verbessern und uns laufend weiterentwickeln. Es reicht nicht, sich auf dem auszuruhen, was man bisher getan hat. Es ist wichtig, weiterhin stets die effizientesten und effektivsten Technologien und Programme anzuwenden, um einen guten Gesamt-Nachhaltigkeitsprozess zu erhalten.

Wie wichtig ist eine internationale Initiative wie der SEA?

Ich hatte zwar schon viel über die SEA Gala gehört, aber es hätte mich nichts wirklich darauf vorbereiten können. Es war ein großartiges, bewegendes Event und hat dem Thema „Sustainability“ genau jenes Gewicht gegeben, das es verdient. Die Gala setzt einen hohen Standard dabei, jenen Menschen in der Welt Anerkennung zu geben, die wirklich nachhaltig handeln. Sie ist ein Weltklasse-Event geworden. Die Arbeit, die Christina Weidinger geleistet hat, ist einfach unglaublich und ein Erfolg auf internationalem Niveau.

Sie sind der erste SEA Botschafter. Eine sehr ehrenvolle Aufgabe …

Ja, ich persönlich war sehr geehrt und voller Demut, als ich gebeten wurde, diese Rolle zu übernehmen. Für mich ist das eine Gelegenheit, an Unternehmen in aller Welt die Botschaft zu verbreiten, dass ihnen ein Mittel zur Verfügung steht, die Menschen darüber zu informieren, was sie für die Nachhaltigkeit tun. Man muss den SEA nicht unbedingt gewinnen. Ich glaube, man gehört schon zu den Gewinnern, wenn man mit dabei ist. Je mehr wir die Botschaft und die Geschichten verbreiten können, desto nachhaltiger wird die Welt werden. Als Botschafter versuche ich, so viel Zeit wie möglich zu investieren, um im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten dazu beizutragen, große Ziele zu erreichen.

Der nächste Schritt des SEA ist es, einen internationalen Wirtschaftsverband für Sustainable Entrepreneurship einzurichten – eine Plattform, auf der Unternehmer ihre Ideen austauschen können. Wird das helfen?

Ja! Ich denke, es ist zum Vorteil der Unternehmen und Länder auf beiden Seiten des Atlantiks. Die Idee, einen Austausch zwischen europäischen und amerikanischen Unternehmern und Organisationen zu begründen, ist äußerst wichtig. Gerade jetzt, da Barack Obama betont hat, dass die EU und die USA auf der Weltbühne stärker zusammenarbeiten sollen. Wir sollten uns ansehen, was Sustainable Entrepreneure tun, und Wege in Betracht ziehen, wie wir gemeinsame Ziele festlegen und mit Interessensverbänden in den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten können. Ich möchte das auf jeden Fall unterstützen.

In Zukunft soll es ein SEA Qualitätssiegel geben. Was halten Sie von der Idee?

Das ist eine großartige Idee und ein sehr würdiges Ziel. Es gibt heute viele Unternehmen, die über Nachhaltigkeit reden, aber im Endeffekt ist alles nur Greenwashing. Ich bin froh darüber, dass der SEA das nicht unterstützt. Darum habe ich mich auch bereit erklärt mitzumachen, um in Amerika bei diesem Thema einen Beitrag zu leisten. Wir sollten genau darauf achten, dass Unternehmen, die behaupten, nachhaltig zu sein, das auch wirklich sind. Dann werden die Menschen das Thema auch objektiv betrachten.

Ich glaube, wir sollten auch einige internationale Umweltorganisationen involvieren, denn sie könnten dabei helfen, internationale Standards zu schaffen. Es wäre für die Unternehmer wichtig zu wissen, dass es sich um ein Gütesiegel mit anerkannten Sustainability-Standards von unabhängigen Stellen handelt, die international Glaubwürdigkeit genießen.

Inwiefern kann jeder von uns dazu beitragen, dass die Bedeutung von Sustainability wächst?

Jeder einzelne von uns hat die Möglichkeit, in seinem eigenen Umfeld zu handeln und zu versuchen, etwas zu bewegen. Wir sind nicht nur Bürger unserer eigenen Umgebung, sondern Bürger der Welt. Ich glaube, wir können als einzelne Bürger darauf bestehen, dass die Unternehmen, mit denen wir Geschäfte machen, so nachhaltig wie möglich arbeiten. Wir können uns in unserem eigenen Umfeld so einbringen, dass Nachhaltigkeit oberste Priorität erhält. Es gibt für uns als Weltbürger noch so viele weitere Möglichkeiten zu entdecken, wie wir im Bereich Sustainability das Verhältnis zwischen der EU und den USA weiter vertiefen können.