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Mag.a Christiane Brunner, AT

Nationalratsabgeordnete

Ein Leben ohne Plastik – geht das? In gewissem Rahmen schon, weiß Christiane Brunner, Abgeordnete zum Österreichischen Nationalrat, Umwelt- Energie- und Tierschutzsprecherin der Grünen sowie Obfrau des parlamentarischen Umweltausschusses des Grünen Klubs im Parlament, nach einem Selbstversuch.

PVC ade, Leben ohne Plastik. Sie haben einen Selbstversuch unternommen, um zu prüfen, ob es möglich ist. Wie lautet Ihr Resümee?

Vorweg: Das Wichtigste im Umgang mit Abfall ist Abfallvermeidung. Das steht in der Abfallhierarchie an oberster Stelle, aber entspricht das auch der Praxis? Ich finde nicht. Immer mehr Plastikflaschen in den Supermarktregalen, ein Wildwuchs von Müllverbrennungsanlagen – das sind die Resultate fehlender oder verfehlter Abfallwirtschaftspolitik. Es gibt viele umweltbewusste KonsumentInnen in Österreich, aber es wird ihnen nicht leicht gemacht. Ich habe den Selbst-Test gemacht und 30 Tage versucht, kein Plastik zu kaufen. Meine Schlussfolgerungen: Ein Leben ohne Plastik wird eher nicht möglich sein. Es gibt schon auch sinnvolle Anwendungen wie in der Medizin, diverse Rohre, etc. Trotzdem werden wir von Plastik überschwemmt und in vielen Bereichen kann/muss eingespart werden. Und: Beim Einkaufen im Alltag ist es sehr wohl möglich, auf Plastik zu verzichten. Aber man muss sich schon umstellen. Es ist sicher nicht für jede/n möglich ohne Plastik auszukommen, wenn man im Alltag rasch noch was kaufen will. Nicht jede/r hat einen Bioladen oder einen Naturkosmetikgeschäft ums Eck. Und genau da ist die Politik gefordert!

Aber nicht nur die Politiker, sondern doch auch die Konsumenten?

Ja, KonsumentInnen können einiges bewegen, immer die eigene Einkaufstasche dabei haben, eine Glasflasche zum Trinken zwischendurch bzw. ein Behältnis für Einkäufe mitnehmen, um die Verpackung der Lebensmittel zu sparen. Aber es gibt auch ziemlich unnötige Anwendungen von Plastik, wo der/die einzelne schwer „entkommt“: Bücher, die zusätzlich in Folie eingepackt sind; CDs in Plastikhüllen, die in einer Plastikfolie verpackt sind; Kekspackungen, in denen jedes Keks extra verpackt ist; Zeitschriften, die man per Post bekommt und auch noch mal in Plastik gepackt sind – wer hat sich darüber noch nicht geärgert?

Wie sehen Ihre konkreten politischen Forderungen aus?

Man muss wissen: Jede/r ÖsterreicherIn wirft das ein- bis eineinhalbfache seines/ihres Körpergewichts (82–85 kg) an Kunststoff- und Gummiabfällen weg. Diese Flut von Verpackungen muss eingedämmt werden, und dafür braucht es politische Rahmenbedingungen. Wir brauchen einen Abfallvermeidungsplan! Es muss das oberste Ziel sein, so wenig Abfall wie nur möglich zu hinterlassen. Unbedingt müssen Einwegverpackungen und Wegwerfartikel reduziert werden. Es kann meiner Meinung nach nicht sein, dass jede/r so viel Material und Verpackung verwenden kann, wie man will. Hier braucht es einen klaren Rahmen. Ein CO2-Fußabdruck oder eine Ressourcensteuer könnten hier Ansätze sein. An Details dazu werden wir weiter arbeiten. Eine weitere Möglichkeit ist eine Abfallvermeidungsvorschrift. Abfallvermeidung muss in Österreich wieder auf die Agenda und zwar mit Toppriorität.

Stichwort Verpackungen?

So wie bei Anlagen die beste verfügbare Technologie vorgeschrieben wird, könnte bei Verpackungen die ökologisch verträglichste vorgeschrieben werden. Auch zu dieser Lösung werden wir kontinuierlich Gespräche mit ExpertInnen führen und weiter daran arbeiten. Und natürlich bleiben auch meine bisherigen Forderungen aufrecht: Verbindliche Mehrwegquote, Bedarfsprüfung Müllverbrennung, Kennzeichnung von Verpackungsmaterialien und Herstellerverantwortung. Die Hersteller von Verpackungsmaterialen müssen die Verantwortung für die Wirkungen ihrer Stoffe übernehmen. Und die KonsumentInnen müssen wissen, was in den Verpackungen enthalten ist und wie diese Stoffe wirken. Es ist bekannt, dass Plastik auch beträchtliche negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit hat. Für mich ist klar, dass jeder Mensch ein Recht darauf hat, dass auch zu wissen und dadurch die Möglichkeit hat, zu entscheiden, ob man so ein Produkt kaufen will oder nicht. Gerade im Lebensmittelbereich ist eine Kennzeichnung dringend nötig!