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Lambert van Nistelrooij

Mitglied im Europäischen Parlament

Ziel des SEA ist es, herausragende Projekte zu erkennen, die Sustainable Entrepreneurship in die Praxis umsetzen. Was hat Sie veranlasst, Mitglied der SEA-Jury zu werden?

Der beste Weg, sich für den Wandel einzusetzen, besteht darin, jene Menschen und Unternehmen, die sich für Sustainable Entrepreneurship entscheiden, nicht zu „bestrafen“, sondern im Gegenteil zu fördern. Dadurch kann man andere überzeugen, ihrem Beispiel zu folgen.

Was verstehen Sie persönlich unter Sustainable Entrepreneurship?

Bei Sustainable Entrepreneurship geht es darum, eine Balance zwischen sozialen, finanziellen und ökologischen Aspekten im Geschäftsleben zu erreichen. Dies ist die einzige Möglichkeit, in einer Welt einen Fortschritt zu erzielen, deren Ressourcen nicht unbeschränkt zur Verfügung stehen und in der wir gewisse soziale Standards sicherstellen wollen.

Es hat den Anschein, als würde Sustainable Entrepreneurship im Anschluss an die Krise noch relevanter werden. Stimmen Sie dem zu? Und warum bedarf es oft einer Krise, damit eine Bewusstseinsänderung eintritt - in der Wirtschaft ebenso wie in der Politik und in der Gesellschaft?

Es scheint in diesem Zusammenhang offensichtlich, dass ein Wandel in vielen Fällen nicht erreicht werden kann, wenn keine Notwendigkeit zur Änderung der aktuellen Praktiken besteht. Beispielsweise begannen die Automobilhersteller erst dann ernstlich damit, Hybrid- und Elektroautos zu entwickeln, als die Brennstoffpreise infolge der starken Nachfrage aus Ländern wie China sprunghaft gestiegen waren, als sie mit der Instabilität im Mittleren Osten konfrontiert wurden und in Berichten davon die Rede war, dass weltweit langfristig nicht mehr genügend fossile Brennstoffe zur Verfügung stehen werden. Viele Änderungen erfordern umfangreiche Investitionen. Für ein kommerziell orientiertes Unternehmen, das einem internationalen Wettbewerb ausgesetzt ist, muss daher eine echte Notwendigkeit dazu bestehen. Ähnliche Mechanismen gelten auch für Politik und Gesellschaft.

Politik, Industrie und Gesellschaft - wer sollte Ihrer Meinung nach die treibende Kraft für eine Weiterentwicklung des Sustainable Entrepreneurship sein?

Sustainable Entrepreneurship sollte gemeinsam von Politik, Industrie und Gesellschaft gefördert werden. Meiner Erfahrung nach ist jedoch der beste Weg, um Änderungen zu erreichen, einen Bottom-up-Ansatz zu wählen. Ich würde daher sagen, dass Industrie und Gesellschaft die führende Rolle übernehmen sollten.

Auf welche Weise kann jeder Einzelne von uns zur Unterstützung von Sustainable Entrepreneurship beitragen?

Den Worten müssen Taten folgen – nach diesem Grundsatz sollte man handeln.

Wie kann verhindert werden, dass Maßnahmen für Sustainable Entrepreneurship nichts weiter als ein grünes Mäntelchen sind? Welche interne Maßnahmen und Methoden müssen angewandt werden?

Was mich weniger beunruhigt, ist die „Grünfärberei“ von Unternehmen. Sustainable Entrepreneurship stellt schließlich weder eine Belastung noch einen Slogan im Sinne von Public Relations dar. Im Gegenteil, es steigert das Commitment der Mitarbeiter und die Wertschätzung durch die Kunden und stärkt dadurch die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Deshalb gibt es viele Unternehmen, die sich mit voller Überzeugung für Sustainable Entrepreneurship entscheiden.