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Katherina Reiche, DE

MdB, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

Mit dem SEA zeichnen wir herausragende Projekte im Bereich Sustainable Entrepreneurship aus. Wie beurteilen Sie diese Initiative – und was bedeutet für Sie persönlich Sustainable Entrepreneurship?

Ich begrüße den Sustainable Entrepreneurship Award, weil mit dieser Auszeichnung beispielhafte Ansätze für Sustainable Entrepreneurship breiter sichtbar werden. Für mich bedeutet Sustainable Entrepreneurship ein verantwortungsbewusstes Unternehmertum, das bei seinen unternehmerischen Abwägungen und Entscheidungen auch die ökologischen, sozialen und gesamtwirtschaftlichen Folgen im Kerngeschäft mitbedenkt – und zwar entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Sustainable Entrepreneurship bedeutet die Verantwortung für das eigene Tun und Lassen zu übernehmen.

Politik, Wirtschaft, Gesellschaft – wer sollte die treibende Kraft im Prozess rund um Sustainable Entrepreneurship sein?

Mit dem Begriff Sustainable Entrepreneurship werden zwar primär die Unternehmen als Akteure benannt, aber auch die Politik und die Gesellschaft sind hier in der Verantwortung: Zur Aufgabe des Staates gehört, langfristige Ziele zu formulieren und förderliche Rahmenbedingungen zu setzen, um die globalen, nationalen und lokalen Herausforderungen wie zum Beispiel den Klimawandel, die Ressourcenverknappung  und den weltweiten Verlust an Biodiversität anzugehen. Der Staat muss auf Basis dieser Ziele den Rahmen für ein nachhaltiges Wirtschaften setzen, Spielräume eröffnen und Impulse in Richtung gewünschter Entwicklungen geben, so dass die Unternehmen ihre Verantwortung so weit wie möglich selbst wahrnehmen können, und der Markt seine Innovationskraft entfaltet. Investorinnen und Investoren sollten natürlich auch ihre Verantwortung übernehmen – hier gibt es ja auch schon Nachhaltigkeitsrankings, den vom Rat für Nachhaltige Entwicklung vorgestellten neuen Nachhaltigkeitskodex oder die internationale Leitnorm ISO 26000. Die Verbraucherinnen und Verbraucher sind gefordert durch ihr Nachfrageverhalten bei Produkten und Dienstleistungen. Die Orientierung fällt hier nicht immer leicht. Deshalb sind Kennzeichungen und Zertifizierungen sinnvoll, wenn sie den Verbrauchern die Auswahl erleichtern. Aus Umweltsicht möchte ich hier nur den Blauen Engel erwähnen, den wir fördern.

Was wird in Deutschland, aber auch auf EU-Ebene unternommen, um dem Thema Sustainable Entrepreneurship zu mehr Geltung zu verhelfen?

Die EU-Kommission hat sich erfreulicherweise mit der Mitteilung vom Oktober 2011 des Themas CSR angenommen. Hier gilt es aber bei den Regierungen noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. In Deutschland fördern wir die freiwillige Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung im Kerngeschäft von Unternehmen. Mit ihrem Aktionsplan „CSR in Deutschland“ will die Bundesregierung CSR in Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung besser verankern und verstärkt kleine und mittlere Unternehmen für CSR gewinnen. Für KMU hat die Bundesregierung deshalb das Förderprogramm „Gesellschaftliche Verantwortung im Mittelstand“ gestartet, das möglichst passgenaue praktische Hilfestellungen zu CSR-Themen bietet. Ferner sollen strategische Partnerschaften und Netzwerke aufgebaut werden. In der internationalen Zusammenarbeit wird sich die Bundesregierung einsetzen für die Intensivierung des Dialogs zum CSR-Ordnungsrahmen in den relevanten internationalen Foren, z. B. den VN, den G8 und G20 oder der EU. In diesem Zusammenhang wird die Bundesregierung auch die Weiterentwicklung der OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen fördern.