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Felix Finkbeiner

Gründer der Initiative Plant-for-the-Planet

Was bedeutet für Dich persönlich Sustainable Entrepreneurship?

Zukunft.
Ohne Nachhaltigkeit haben wir Kinder keine Zukunft.

Wie tief ist Deiner Meinung nach Sustainable Entrepreneurship bereits in den Köpfen der Menschen und vor allem im Handeln der Unternehmen verankert?

Noch viel zu wenig, wenn wir bedenken, dass es den Begriff schon seit 300 Jahren gibt.  Der sächsische Oberberghauptmann Carl von Carlowitz hat im Jahr 1713 das Prinzip der Nachhaltigkeit begründet, weil er langfristig Holz für den Bergbau sicherstellen wollte. Heute sind Unternehmen stolz auf ihre Gewinne. Aber ist es eine Leistung, auf Kosten von uns Kindern Gewinne einzufahren, vergleichbar mit dem Ernten von Bäumen ohne Wiederaufforstung? Wir Kinder haben uns oft gefragt, warum so wenige Erwachsene Nachhaltigkeit umsetzen und kamen auf das Beispiel der Affen: Wenn Du einen Affen wählen lässt, ob er jetzt ein Banane oder später sechs Bananen will, dann entscheidet sich der Affe immer für die die eine Banane jetzt.

Du bist Gründer der Initiative Plant-for-the-Planet…Welche Rolle spielt Plant-for-the-Planet bei der Vorantreibung nachhaltigen Wirtschaftens?

Uns Kindern und Jugendlichen bei Plant-for-the-Planet geht es darum, dass wir eine Zukunft haben können. Dazu schaffen wir Bewusstsein für die Klima- und die Armutskrise, denn solange diese beiden Krisen nicht gelöst sind wird es keine Zukunft in Frieden geben. Die Lösung für die beiden Krisen, die ja auch zusammenhängen, ist nachhaltiges Verhalten, also nicht auf Kosten ärmerer Menschen oder Kindern und zukünftigen Generationen zu leben. Vielleicht bekommt der wenig emotionale Begriff „Nachhaltigkeit“ durch uns Kinder einen Grund, eine Emotion. Die Erwachsenen wissen, warum sie sich nachhaltig verhalten sollen. Außerdem zeigen wir, wie einfach es ist. Vielleicht machen wir Nachhaltigkeit auch irgendwie „cool“, oder umgekehrt, wird nicht-nachhaltiges Verhalten bald irgendwie so uncool, wie einen Pelzmantel zu tragen. Sicher tragen wir ein bisschen zu diesem Trend bei.

Wie wichtig ist es Dir nachhaltiges Denken vorzuleben und inwiefern tust Du das?

Innerhalb Deutschlands und in den angrenzenden Ländern reise ich immer mit der Bahn. Wenn es irgendwie geht, halte ich Vorträge außerhalb Europas über Skype oder schicke Videobotschaften. Unsere weltweiten Konferenzen halten wir über Internetplattformen. Unsere Büros sind alle in unmittelbarere Bahnhofsnähe und alle Mitarbeiter kommen mit dem Zug. Als Familie wohnen wir sogar in einem Bahnhofsgebäude, so dass wir das Auto nur ausnahmsweise für Transporte großer Einkäufe brauchen. Wir Kinder sind nacheinander alle Vegetarier geworden, meinen Vater haben wir auch schon überzeugt.

Inwiefern kann jeder von uns dazu beitragen, dass die Bedeutung von Sustainability wächst?

Als Unternehmer und Politiker sollten wir vor jeder Entscheidung prüfen, ob diese Entscheidung auch der siebten Generation nach uns noch zum Vorteil gereicht und erst dann diese Entscheidung treffen.

Als Verbraucher sollten wir nur bei Unternehmen kaufen, die nachhaltiger sind als ihre Wettbewerber.  Zusammen können wir viel erreichen: Ein Moskito kann nicht machen gegen ein Nashorn, aber Tausende Moskitos können ein Nashorn dazu bringen die Richtung zu ändern.

Du bist der erste SEA Kinderbotschafter. Eine sehr ehrenvolle Aufgabe …

…ehrenvoll? Ich würde eher sagen, es ist traurig. Meine Freunde und ich würden viel lieber Fußballspielen oder unbeschwert chillen anstatt uns schon in so jungen Jahren glauben politisch für unsere Zukunft einsetzen zu müssen. Seit 19 Jahren, länger als wir alt sind, verhandeln die Erwachsenen über eine Reduktion des CO2-Ausstosses. Der CO2-Ausstoss nimmt jedes Jahr kontinuierlich zu.

Der SEA zeichnet jedes Jahr Unternehmer für außergewöhnliche Projekte aus, mit denen Sustainable Entrepreneurship in der Praxis umgesetzt wird. Was hat Dich überzeugt, diese Idee zu unterstützen?

Wir brauchen Menschen und Unternehmer, die den anderen zeigen, dass Nachhaltigkeit funktioniert, dass man mit Nachhaltigkeit erfolgreich sein und Geld verdienen kann. Diese Vorbilder sind für uns Kinder überlebenswichtig.  

Und letzte Frage: Was ist das beeindruckendste Beispiel für Sustainable Entrepreneurship, das Dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Tesla Motors gibt uns Jugendlichen große Hoffnung. Ein einzelner Mensch, schafft es als Außenstehender eine Branche umzukrempeln. Die Automobilindustrie, die sich seit Jahrzehnten erfolgreich gegen Nachhaltigkeit stemmt und stattdessen mit SUVs, an kurzfristigen Profit denkt, kommt ins Schwitzen.

Oder die Menschen, die Invanpah verwirklicht haben, eine Solaranlage in der Wüste von Kalifornien, die soviel Strom produziert, wie ein Atomkraftwerk, ohne radioaktiven Müll und ohne dass die Sonne eine Rechnung schickt. Ivanpah ist eine von ca. 120 Concentrated Solar Power Anlagen auf der Welt, die mit Hilfe von einfachen Spiegeln das Sonnenlicht bündeln, Dampfturbinen betreiben und damit 24/7, also rund um die Uhr Strom produzieren. Pioniere, die den anderen zeigen, Nachhaltigkeit ist möglich, das sind unsere Helden, die einmal in den Geschichtsbüchern stehen werden.