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Dr. Thomas Greigeritsch, AT

Head of Group Sustainability Constantia Flexibles International GmbH

Was bedeutet für Sie persönlich Sustainable Entrepreneurship?

Unternehmerische Entscheidungen zu treffen, die mindestens die 3-Säulendefinition der Nachhaltigkeit berücksichtigen (sozial, ökologisch und ökonomisch). Hierbei gilt es, das Unternehmen nicht nur selbst zu betrachten, sondern die gesamte Wertschöpfungskette im Augenmerk zu haben. Zusammenarbeit mit vor- und nachgelagerten Prozessen ist hierbei das Schlüsselwort, um wirklich etwas bewegen/verbessern zu können.

Wie tief verankert ist diese Denkweise aus Ihrer Sicht schon in den Gesellschaft, vor allem aber in den Köpfen der Unternehmer?

Vor allem in den letzten Jahren ist ein massives Umdenken in der Gesellschaft zu erkennen. Vielfach wurde dies auch schon verinnerlicht, jedoch ist es nicht jeder Einkommensschicht möglich, einem nachhaltigeren Lebensstil nachzukommen.
Auch in Unternehmen finden nachhaltigere Produktionstechnologien unter Berücksichtigung von Energieeffizienz und der Verwendung erneuerbarer Ressourcen vermehrt Anwendung. Aus unternehmerischer Sichtweise gibt es jedoch noch großen Aufholbedarf. Dass sich „Nachhaltigkeit“ auch in einem entsprechenden „Return on Investment“ niederschlägt, wird bei unternehmerischen Entscheidungen vielfach nicht erkannt.

Welche Branchen sind Ihrer Meinung nach weit vorne, wenn es darum geht, Sustainable Entrepreneurship zu leben und welche haben noch Aufholbedarf?

Es sind hier nicht unbedingt einzelne Branchen, die hier eine Pionierrolle leben. Vielmehr geht es um die jeweilige Unternehmenskultur. Familienunternehmen denken bzgl. Nachhaltigkeit längerfristig und sind sich ihrer Verantwortung gegenüber Gesellschaft, Umwelt etc. vielfach bewusster.

Sie sind Head of Sustainability…Welche Rolle spielt Constantia Flexibles International GmbH bei der Vorantreibung nachhaltigen Wirtschaftens?

Als einer der führenden Verpackungsunternehmen weltweit, sehen wir uns bei vielen unserer „Initiativen“ und Bemühungen als Vorreiter. Bei Constantia stehen nicht nur die drei Säulen der Nachhaltigkeit im Vordergrund, sondern das Zusammenspiel von Unternehmensnachhaltigkeit mit den Anforderungen an unsere Produkte und der Integration der gesamten Lieferkette. Das Festlegen von Zielen, sowie die Überwachung selbiger, für die gesamte Gruppe und die Möglichkeit der Bewertung sämtlicher Produkte nach so genannten Ökobilanzkriterien, unterstützen uns und unsere externen Stakeholdern bei Entscheidungen. So können transparente Aussagen über unser Unternehmen, wie auch bzgl. unserer Produkte im Nachhaltigkeitskontext getroffen werden. Die Mitbegründung zahlreicher Nachhaltigkeitsinitiativen, wie z. B. für das „Responsible Sourcing“ von Rohstoffen, unterstreicht unsere Aktivitäten in internationalen Arbeitsgruppen. Auch das Bekenntnis zur und die Mitgliedschaft in der „Save Food – Initiative“ der Vereinten Nationen soll unseren Kampf gegen Verschwendung und das Wegwerfen von Lebensmitteln verdeutlichen. Gerade unseren Produkten kommt hierbei eine ganz wichtige Rolle zu, die eine nachhaltigere Lebensweise zu unterstützen vermag.

Wie wichtig ist es Ihnen nachhaltiges Denken vorzuleben und inwiefern tun Sie das?

Das wichtigste ist hierbei für mich, dass ich – wann immer sich die Chance bietet – versuche, Aufklärung zu leisten. Was bedeutet Nachhaltigkeit in einer gewissen Situation, Fragestellung, Anwendung …? Hierbei gilt es zu vermitteln, dass reines „Schwarz-Weiß-Denken“ nicht ausreichend für eine umfassende und richtige Aussage bzgl. Nachhaltigkeit sein kann.

Wie schätzen Sie die Rolle und Position von Österreich bei der Weiterentwicklung von Sustainable Entrepreneurship ein?

Österreich gehört in vielen Bereichen zur Weltspitze und genießt entsprechende weltweite Beachtung. Jedoch fällt es „uns“ oft auch schwer über den Tellerrand hinauszublicken und Innovationen voranzutreiben. Die vielfach zitierte „österreichische Lösung“ ist hierbei ein gutes Beispiel. Europaweit hat Österreich sicherlich die Chance sein gutes Renommee, auch in Bezug auf Sustainable Entrepreneurship, weiter ausbauen. Ob das gelingt und man das auch will, soll dahingestellt bleiben.

Der SEA zeichnet jedes Jahr Unternehmer für außergewöhnliche Projekte aus, mit denen Sustainable Entrepreneurship in der Praxis umgesetzt wird. Was hat Sie überzeugt, diese Idee zu unterstützen?

Es zeigt sich ganz klar, dass nicht immer was passieren muss, damit etwas passiert. Der SEA leistet hierbei hervorragende Arbeit, um derartige Projekte in die Öffentlichkeit zu tragen und neuen Ansporn zu geben, diesen Beispielen zu folgen. Diese Idee zu unterstützen, ist für mich daher eine logische Konsequenz, um einen Beitrag für eine nachhaltigere Gesellschaftsentwicklung zu leisten.

In welcher Weise kann jeder einzelne von uns dazu beitragen, die Wichtigkeit und Wertigkeit von Sustainable Entrepreneurship zu steigern?

Entscheidungen des täglichen Lebens kritisch zu hinterfragen bildet hierbei die Grundlage. Das fängt beim persönlichen Konsumverhalten von Ressourcen aller Art (Wasser, Lebensmittel, Luxusgüter …) an und endet vielleicht damit, Stoffströme zu schließen und Gütern am Ende ihres Lebens den „richtigen“ Weg der Entsorgung zu ermöglichen.

Und letzte Frage: Was ist das beeindruckendste Beispiel für Sustainable Entrepreneurship, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Hier gibt es sicherlich eine Vielzahl an Projekten, die es wert sind, hier erwähnt zu werden (ökologische Verbesserungen, soziale Initiativen, faire Geschäftspraktiken …). Was mich jedoch persönlich fasziniert, ist, wenn Unternehmen freiwillig einen großen Anteil ihres Gewinnes zur Verbesserung von Lebensbedingungen benachteiligter Menschen verwenden und erkennen, dass alles nur endlich ist.