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Dr. David Pistrui, US

Acumen Dynamics, LLC

Was bedeutet für Sie persönlich Sustainable Entrepreneurship (SE)?

Für mich bedeutet Sustainable Entrepreneurship, dass man darauf achtet, ein breiteres Spektrum von Interessensgruppen einzubeziehen und mit Feingefühl beobachtet, wie natürliche und andere Ressourcen benutzt und verbunden werden.

Wie verankert ist das Prinzip der Sustainable Entrepreneurship heute bereits in den Köpfen der Menschen, aber vor allem im Handeln der Unternehmen?

Sustainable Entrepreneurship ist immer noch eine relativ neue Idee. SE gewinnt jedoch stark an Aufmerksamkeit und erweist sich als eine Kraft, die das unternehmerische Denken und die wirtschaftliche Entwicklung beeinflusst.

Wie weit lässt sich Ihrer Meinung nach wirtschaftlicher Erfolg mit einem Mehrwert für die Gesellschaft vereinbaren?

Ich würde die Behauptung aufstellen, dass gesellschaftliche Anliegen die große Mehrheit der Unternehmer beim Aufbau ihrer Geschäfte motivieren. Ich kenne z. B. ein schnellwachsendes Unternehmen in Chicago, das mit innovativen Methoden innovative Verpackungs- und Umweltschutzlösungen entwickelte. Es ist also durchaus möglich.

Welche Branchen sehen Sie als besonders vorbildlich an, wo sehen Sie noch Aufholbedarf in Bezug auf Sustainable Entrepreneurship?

Da fallen mir mehrere Branchen ein. In der Elektronikbranche stellt sich z. B. die Frage, was man mit den Altgeräten machen soll. Ich kenne mehrere Unternehmer, die versuchen, Elektrogeräte zu recyceln oder wiederzuverwenden. Gesundheitswesen, Energiewirtschaft und Transportwesen sind alles Branchen, in denen sich der Einfluss von Sustainable Entrepreneurship abzuzeichnen beginnt.

Ich habe manchmal das Gefühl, dass Sustainable Entrepreneurship als Folge der Krise noch mehr an Bedeutung gewonnen hat. Warum braucht es so oft eine Krise, damit ein Bewusstseinswandel stattfindet?

Weil eine Krise zu einem Ungleichgewicht auf dem Markt führt. Das schärft wiederum den unternehmerischen Spürsinn für neu entstehende Möglichkeiten. Diese Krise war (ist) tiefgreifend und zwang (zwingt) die Leute dazu, sich in ihrem sozioökonomischem Umfeld umzusehen. Es stellt sich nun die Frage, ob die Leute mutig genug sind, um die Änderungen zu umzusetzen, die notwendig sind.

Wie kann man verhindern, dass Maßnahmen der Sustainable Entrepreneurship mehr als nur Alibihandlungen sind? Welche firmeninternen Maßnahmen und Methoden müssen in Unternehmen angewendet werden?

Die Auswirkungen von Sustainable Entrepreneurship zu messen, kann kompliziert sein. Oft ist es schwierig, Ergebnisse und Auswirkungen zu definieren oder gar zu messen. Ich schlage einen dreigleisigen Ansatz vor. Erstens, einen summativen Bericht darüber, was im Vergleich zu den gesetzten Zielen erreicht wurde. Zweitens, eine Art formativer Bewertung, wie wir von Erfahrungen lernen können, um zukünftige Ergebnisse zu verbessern. Drittens, eine Art Entwicklungsbewertung, bei der experimentiert wird und Prototypen von Bewertungsverfahren und -modellen entwickelt werden.

Politik, Wirtschaft, Gesellschaft – wer sollte die treibende Kraft im Prozess rund um Sustainable Entrepreneurship sein?

Sustainable Entrepreneurship muss auf einer persönlichen und lokalen Ebene beginnen und mit unserem Umfeld verknüpft sein. Erst wenn das erreicht wurde, kann SE von Industrie, Bildungswesen und den Behörden profitieren. Durch einen transparenten und freien Markt können Gesellschaften zusammenarbeiten um unternehmerische Gesellschaften aufzubauen, die Nachhaltigkeit in die Praxis umsetzen.

Gibt es Unterschiede zwischen den USA und Europa?

Es gibt sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede zwischen den USA und Europa. In den USA ist das Unternehmertum ein Motor für Innovation, die Schaffung von Arbeitsplätzen und Unabhängigkeit. Es wird als ein anständiger Beruf angesehen, den Jung und Alt gleichermaßen ausüben. In den USA gibt es eine größere Risikotoleranz und zu scheitern gilt als eine Ehre, für die man nicht bestraft wird. Selbstständigkeit, die Arbeit in Startups und KMU bieten viele Möglichkeiten und ein Unternehmergeist durchdringt die Gesellschaft, wie es in Europa nicht der Fall ist.

Wie würden Sie Österreichs Rolle bei der Entwicklung von Sustainable Entrepreneurship beurteilen?

Österreich kann eine bemerkenswerte Entwicklung von Sustainable Entrepreneurship vorweisen. Beispiele wie das Eco Cluster in der Steiermark dienen als Nährboden für Aktivitäten der Sustainable Entrepreneurship. Insgesamt fehlt es Österreich jedoch an einem robusten Unternehmergeist. Es muss viel mehr getan werden, um an den höheren Schulen und Universitäten unternehmerische Kompetenzen zu entwickeln. Momentan spielt Selbstständigkeit bei der Karriereplanung der meisten jungen Österreicher keine Rolle.

Was halten Sie vom SEA?

Das ist ein sehr gutes Beispiel dafür, was in Österreich geschehen muss. Lokale Veranstaltungen die dem unternehmerischen Ökosystem Aufmerksamkeit verschaffen, seine Ideen bewerben und bei seinem Aufbau helfen, sind für Sustainable Entrepreneurship von wesentlicher Bedeutung.

Sie sind einer der ersten SEA-Botschafter … Was hat Sie dazu veranlasst, SEA Botschafter zu werden?

SEA Botschafter zu sein bietet mir eine Plattform, um meine Erfahrungen als Unternehmer zu teilen, von anderen zu lernen und nachhaltiges unternehmerisches Denken bei der heutigen und bei zukünftigen Generationen von Unternehmern, Pädagogen und Wirtschaftsführern zu fördern.

Der nächste Schritt des SEA ist es, einen internationalen Wirtschaftsverband für Sustainable Entrepreneurship einzurichten – eine Plattform, wo Unternehmer ihre Ideen austauschen können. Wird das helfen?

Dem SEA bei der Einrichtung eines internationalen Wirtschaftsverbands zu helfen deckt sich mit meinen laufenden Bemühungen und Aktivitäten die darauf abzielen, weltweit mehr verantwortungsvolle unternehmerische Praktiken zu fördern und beizubehalten.

Wie kann jeder einzelne von uns dazu beitragen, die Bedeutung von Sustainable Entrepreneurship und eines ethischen Lebensstils zu vergrößern?

Man muss verstehen, dass das Praktizieren von “gutem Unternehmertum” sowohl Unternehmer als auch Bürger braucht, die ein Gespür für die Umwelt und die Bedürfnisse des Markts besitzen und die vor allem anstreben, das Leben der Menschen zu verbessern.

Zum Schluss eine persönliche Frage: Welches nachhaltige Projekt ist Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben – und warum?

Alle sind interessant, die einen mehr, die anderen weniger. Ich freue mich auf zukünftige Einreichungen und rechne mit sehr innovativen Projekten.