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DI Walter Ruck, AT

Präsident der Wirtschaftskammer Wien

Was bedeutet für Sie persönlich Sustainable Entrepreneurship?

Neben dem ökonomischem Interesse ist die Einbeziehung sozialer und ökologischer Aspekte nicht nur eine moralische Verpflichtung der Unternehmer und Unternehmerinnen, sondern auch eine der Grundlagen für ein funktionierendes Wirtschaftssystem. Es ist mir daher ein persönliches Anliegen, das Beratungs- und Bildungsangebot der Wirtschaftskammer Wien in diesem Themenbereich weiter auszubauen. Ich darf auch mit Stolz sagen, dass die Wirtschaftskammer Wien selbst auch ein geprüfter Ökoprofit-Betrieb ist und damit über Nachhaltigkeit nicht nur redet, sondern sie auch vorlebt.

Wie tief verankert ist diese Denkweise aus Ihrer Sicht schon in der Gesellschaft, vor allem aber in den Köpfen der Unternehmer?

Die Gesellschaft denkt immer nachhaltiger und handelt auch danach. Bei vielen Unternehmen ist der Umgang mit der Natur und der Gesellschaft schon seit Langem Leitgedanke und beeinflusst alle betrieblichen Entscheidungen. Erfahrungsgemäß richten besonders Gründerinnen und Gründer ihr Unternehmen zumeist von Anfang an auf eine nachhaltige Wirtschaftsweise aus. Die Wiener Unternehmen investieren allein in den Umweltschutz zwei Milliarden Euro pro Jahr.

Welche Branchen sind Ihrer Meinung nach weit vorne, wenn es darum geht, Sustainable Entrepreneurship zu leben und welche haben noch Aufholbedarf?

Gute Beispiele gibt es in jeder Branche. Entscheidend ist, dass das Engagement der Betriebe auch wirtschaftlich positiv zu Buche schlägt. In diesem Zusammenhang sind auch Förderungen wichtig, um entsprechende Investitionen anzuregen. Jeder Förder-Euro in Sachen Umweltschutz löst eine Investition von fünf Euro aus. Das stärkt die Wiener Wirtschaft und nützt der Umwelt.

Sie sind Präsident der WK Wien. Welche Rolle spielt die WK Wien bei der Vorantreibung nachhaltigen Wirtschaftens?

Die Wirtschaftskammer Wien bekennt sich zum Ziel einer nachhaltigen Wirtschaft. Wir unterstützen unsere Mitgliedsbetriebe auf vielfältige Weise, dieses Ziel zu erreichen. Insbesondere in unserer Rolle als Partner des ÖkoBusinessPlans Wien, den wir zusammen mit der Stadt Wien und dem Umweltministerium tragen. Über 800 Wiener Betriebe haben bisher daran teilgenommen und bewiesen, dass Ökonomie und Ökologie keine Widersprüche sind. Darüber hinaus bieten wir den Unternehmen mit unserem Energie- und Umweltreferat Informationen und Beratungen zu allen Fragen rund um Nachhaltigkeit. Mit dem Betriebsanlagenservice betreuen wir weiters Unternehmen bei der Errichtung oder der Änderung ihrer Betriebsanlage. Eine ganze Workshop-Reihe - „Ressourcen-Effizienz für Klein- und Mittelunternehmen“ – beleuchtet, in Kooperation mit dem ÖkoBusinessPlan, die vielfältigen Facetten der Nachhaltigkeit. Auch im Ausbildungsbereich hat die Wirtschaftskammer einen eigenen Schwerpunkt im Bereich Nachhaltigkeit gesetzt. Es sei hier nur an das umfangreiche Kursangebot des WIFI Wien und die akademische Ausbildung zum Master of Sustainable Development an der MODUL University Vienna erinnert. Auch an der Tourismusschule Modul wird den Schülern laufend nachhaltiges Wirtschaften nähergebracht.

Der SEA zeichnet jedes Jahr Unternehmer für außergewöhnliche Projekte aus, mit denen Sustainable Entrepreneurship in der Praxis umgesetzt wird. Was hat Sie überzeugt, diese Idee zu unterstützen?

Nachhaltigkeit und Unternehmertum sind kein Widerspruch, sondern untrennbar miteinander verbunden, wenn man dauerhaften wirtschaftlichen Erfolg erzielen will. Daher ist es auch für die Wirtschaftskammer Wien wichtig, derartige Projekte zu unterstützen und Bewusstsein zu schaffen.

In welcher Weise kann jeder einzelne von uns dazu beitragen, die Wichtigkeit und Wertigkeit von Sustainable Entrepreneurship zu steigern?

Es kann jeder darauf achten, immer Hochwertigeres und Nachhaltigeres zu verwenden und herzustellen. Oft ist es auch erforderlich, alte Gedankenmuster zu verwerfen und neue Wege zu gehen. Nachhaltigkeit ist damit auch ein Anstoß für die Wirtschaft, ihre Innovationsfähigkeit unter Beweis zu stellen.

Und letzte Frage: Welche weiteren Initiativen trägt die WK Wien im Bereich Sustainable Entrepreneurship mit?

Wir holen zum Beispiel als Regionalpartner des Energy Globe Awards oder mit dem österreichweiten CSR-Preis Trigos seit mittlerweile elf Jahren ausgezeichnete Unternehmen vor den Vorhang. Auch mit unserem Innovationspreis MERCUR haben wir seit mehr als 25 Jahren immer wieder nachhaltige Ideen und Initiativen der Wiener Unternehmerinnen und Unternehmer ausgezeichnet. Ihnen allen gebührt unsere Hochachtung für ihre großartigen Leistungen und für ihre Vorbildfunktion für andere Betriebe.