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DI Dr. Florian Haslauer, AT

Partner A.T. Kearney Ges.m.b.H.

Was bedeutet für Sie persönlich Sustainable Entrepreneurship (SE)?

Sustainable Entrepreneurship heißt für mich das Ausrichten des unternehmerischen Handelns und des Managements von Organisationen an nachhaltigen Zielsetzungen. Das sind Zielsetzungen der Ressourcenschonung ebenso wie das Verfolgen langfristiger Zielsetzungen anstatt kurzfristiger Optimierung.

Wie verankert ist das Prinzip der Sustainable Entrepreneurship heute bereits in den Köpfen der Menschen, aber vor allem im Handeln der Unternehmer?

In Teilbereichen ist es schon vorhanden. Trotzdem sehe ich bei einem Großteil der Menschen, dass zwischen Reden und Tun noch ein deutlicher Unterschied besteht. Außerdem ist es auch eine Frage der Leistbarkeit, beispielsweise beim Konsum von Lebensmitteln. Was die Unternehmen betrifft, bin ich überzeugt, dass sich das Umstellen auf Sustainable Entrepreneurship für die Unternehmen rechnen muss, ansonsten wird es sich nicht in der Breite durchsetzen. Wenn Google, SAP oder die Deutsche Bahn verlautbaren, dass nur mehr erneuerbar erzeugter Strom einsetzt wird, tun sie das in der Erwartung, dass die damit verbundene Signalwirkung zu den Kunden und den eigenen Mitarbeitern langfristig positive Wirkungen hat. Diese positiven Wirkungen übertreffen die Mehrkosten, die damit verbunden sind. Das Ergebnis sind dann „Sustainable Geschäftsmodelle“, d. h. die Unternehmen erzielen mit der Umstellung wirtschaftliche Vorteile. Für mich wird sich Sustainable Entrepreneurship dann in der Breite durchsetzen, wenn es gelingt „Sustainable Geschäftsmodelle“ zu entwickeln.

Welche Branchen sehen Sie als besonders vorbildlich an, wo sehen Sie noch Aufholbedarf in Bezug auf Sustainable Entrepreneurship?

Für mich stellt sich hier die Frage, in welchen Branchen sich heute bereits tragfähige „Sustainable Geschäftsmodelle“ entwickeln und umsetzen lassen. Das heißt: Wo sind die Voraussetzung gut, um mit Nachhaltigkeit auch wirtschaftliche Vorteile zu erzielen? Aus meiner Sicht sind es beispielsweise der Konsumgüterbereich und der Endkundendienstleistungsbereich, in denen derartige Geschäftsmodelle heute schon entstehen. Die Konsumenten sind sensibilisiert auf das Thema und werden zukünftig stärker auf Produkte von Unternehmen zugreifen, die nachhaltig wirtschaften. Jene Branchen, die einen hohen Anteil an Wissensarbeitern haben, wie z. B. IT-Dienstleistung oder Telekommunikation haben auch gute Voraussetzungen, weil diese Unternehmen dadurch beim Recruiting und beim Halten von Schlüsselarbeitskräften Vorteile haben.

Welche Initiativen zur Stärkung der nachhaltigen Wirtschaft setzt A. T. Kearney um? Wie können Sie als global führendes Beratungsunternehmen dazu beitragen, Wirtschaft und Gesellschaft „nachhaltiger“ zu machen?

A. T. Kearney hat bereits im Jahr 2007 eine Nachhaltigkeits-Strategie definiert und war das erste globale Beratungsunternehmen das sich CO2-Neutralität zum Ziel gesetzt und im Jahr 2010 erreicht hat. Wir ermitteln jährlich unseren globalen CO2-Footprint und setzen interne Reduktions-Maßnahmen um. Zur Kompensation des verbleibenden CO2-Ausstoßes investieren wir in CO2-Reduktionsprojekte, die wir in einem sehr sorgfältigen Prozess ausgewählt haben.

Mit dem SEA zeichnet der Club of sustainable entrepreneurs – Verein für nachhaltiges Wirtschaften herausragende Projekte im Bereich Sustainable Entrepreneurship aus. Wie beurteilen Sie diese Initiative?

Ich halte es für sehr wichtig, Beispiele zu zeigen, wie mit nachhaltigem Wirtschaften Unternehmen erfolgreich aufgebaut und geführt werden können. Neben Innovation, Qualifikation und Produktivität wird Nachhaltigkeit für die österreichische und europäische Wirtschaft ein wichtiger Erfolgsfaktor, um im globalen Wettbewerb zu bestehen.

Zum Schluss eine persönliche Frage: Welches nachhaltige Projekt ist Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben – und warum?

Für zahlreiche unserer Klienten führen wir mittlerweile Projekte mit direktem Bezug zu Nachhaltigkeit durch. Beispiele reichen von der globalen Nachhaltigkeitsstrategie für einen international tätigen Konsumgüterkonzern über die Optimierung von Logistik und Produktionseffizienzen mit den einhergehenden Einsparungen, was Kosten, Energieverbrauch und CO2-Emissionen angeht, bis hin zur Entwicklung von Geschäftsmodellen für erfolgreiches Wachstum z. B. im Bereich erneuerbarer Energien.

Ein konkretes Beispiel, das alle diese Punkte berührt, war die Umsetzungsunterstützung für einen global tätigen Konsumgüterkonzern in Sachen Nachhaltigkeit. Ziel war die Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien an der Energieversorgung. Hierfür galt es, für die stark unterschiedlichen internationalen Standorte jeweils optimale Technologie- und Projekt- bzw. Bezugsoptionen zu definieren, mit denen ein möglichst hoher Anteil erneuerbarer Energien möglichst kostenoptimal erreicht werden konnte. Die Lösungen beinhalteten sowohl die Investition in eigene Anlagen als auch die Entwicklung von Partnerschaftsmodellen mit regionalen Anbietern, welche dem Konzern die Belieferung mit Energie aus lokalen, erneuerbaren Quellen oftmals kostengünstiger anbieten konnten, als dies durch eigene Investitionen des Konzerns möglich gewesen wäre.