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Bradley Googins, PhD

Außerordentlicher Professor Boston College Carroll School of Management (Ret)

Mit dem SEA zeichnet der Club of sustainable entrepreneurs – Verein für nachhaltiges Wirtschaften herausragende Projekte im Bereich Sustainable Entrepreneurship aus. Was denken Sie über diese Initiative?

Ich denke, Auszeichnungen sind ein wichtiges Instrument, Innovationen aus der ganzen Welt bekannter zu machen und zu beurteilen.

Was hat Sie dazu bewogen, der Jury des SEA beizutreten?

Ich habe die letzten zwanzig Jahre im Bereich der Corporate Citizenship gearbeitet und konzentriere mich heute darauf, wie man die Wirtschaft mit sozialen Innovationen und Unternehmergeist nachhaltiger gestalten kann. Ich bin überzeugt, dass das gegenwärtige wirtschaftliche Modell weder für die Wirtschaft noch für die Gesellschaft wirklich brauchbar ist. Umgekehrt denke ich, die Unternehmen haben noch nicht verstanden, dass sie mit ihren Stärken entscheidend zu einer nachhaltigeren Gesellschaft beitragen können.

Was bedeutet für Sie persönlich Sustainable Entrepreneurship (SE)?

Die Wirtschaft nimmt heute eine überlegene Rolle in unserer Gesellschaft ein und hat viel Macht über alle Bereiche unseres Lebens. Sustainable Entrepreneurship bringt diese Macht durch Innovation zum Vorschein – sowohl für wirtschaftliche Nachhaltigkeit als auch für das Gemeinwohl und den Planeten.

Warum brauchen wir Sustainable Entrepreneurship?

Die großen Themen für unsere Gesellschaft werden immer komplexer und auch für die Politik werden die Herausforderungen größer. Die Kraft des Unternehmergeistes setzt Kreativität und Innovation von unten her frei – mit Schwerpunkt auf Taten und bahnbrechenden Lösungen.

Wie verankert ist das Prinzip der Sustainable Entrepreneurship heute bereits in den Köpfen der Menschen, aber vor allem im Handeln der Unternehmen?

Unsere sozialen, wirtschaftlichen und politischen Systeme sind gefangen in einem Strudel aus grundlegenden Veränderungen in Richtung eines neuen globalen Wirtschaftssystems. Viele der früheren Vorteile des Wachstums des weltweiten Kapitalismus treffen jetzt auf neue Umgebungen, einen neuen Gesellschaftsvertrag, sowie auf die Notwendigkeit einer neuen Weltordnung.

Es hat den Anschein, als wäre Sustainable Entrepreneurship im Allgemeinen in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten noch wichtiger geworden. Teilen Sie diese Meinung? Und warum führen oftmals erst Krisen zu Bewusstseinsänderungen, sowohl in der Wirtschaft als auch in Politik und Gesellschaft?

Krisen sind vergleichbar mit einem Waldbrand – sie sind notwendig für neues Wachstum und die Nachhaltigkeit des Systems. Wie Peter Drucker sagt: „Hinter jedem globalen und sozialen Problem steckt eine Geschäftsmöglichkeit“.

Politik, Wirtschaft, Gesellschaft – wer sollte die treibende Kraft im Prozess rund um Sustainable Entrepreneurship sein?

Die Wirtschaft soll ganz klar ihre ganz eigenen Vorteile in puncto Innovation und Unternehmertum nutzen. Aber sie muss auch erkennen, dass sie ihre Partnerschaften mit den anderen Sektoren neu erfinden muss, denn sie alle drei sind für nachhaltige Lösungen unerlässlich.

Wie kann jeder einzelne persönlich dazu beitragen, dass Sustainable Entrepreneurship noch mehr an Bedeutung gewinnt?

Ich denke, jeder von uns kann seine eigenen Innovationen und Netzwerke nutzen, um neue Visionen und Lösungen für die vielfältigen Probleme der Gesellschaft zu finden. Wir können nicht jedes Problem lösen, aber jeder von uns kann seine eigenen Ideen und Taten einbringen – so können wir Allianzen und ganze Bewegungen für eine nachhaltigere Zukunft mobilisieren.

Wie kann man verhindern, dass SE-Maßnahmen nicht einfach nur reines „Greenwashing“ sind?

Welche Maßnahmen und Methoden sind dazu intern anzuwenden? Es gibt eine Reihe von wichtigen Gegenmitteln gegen „Greenwashing“. Transparenz und Verantwortung sind hier die Grundpfeiler. Für die Glaubwürdigkeit und Authentizität von Unternehmen ist es essenziell, die Kluft zwischen den Werten, für die sie eintreten, und ihrem Verhalten zu schließen.