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André Schneider, CH

Vizepräsident, Ecole Polytechnique Fédéral de Lausanne und CEO und Chairman, André Schneider Global Advisory AG

Was bedeutet für Sie persönlich Sustainable Entrepreneurship?

Ein Verständnis, dass unternehmerisches Handeln ein Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichen, sozialen und umweltorientierten Herausforderungen finden muss. Es heißt aber auch dass langfristiger Erhalt und Erfolg entschieden höher gewertet werden müssen als kurzfristiger Erfolg.

Wie tief verankert ist diese Denkweise aus Ihrer Sicht schon in den Gesellschaft, vor allem aber in den Köpfen der Unternehmer?

Ich denke dass diese Denkweise schon generell verstanden und bekannt ist, aber leider noch nicht genügend Grundlage für Entscheidungen im täglichen Geschäft geworden ist.  Es ist immer wieder zu sehen wie die kurzfristigen Herausforderungen über die Denkweise von Sustainable Entrepreneurship Vorrang nehmen.

Die EU will Unternehmen dazu verpflichten regelmäßig Nachhaltigkeitsberichte zu veröffentlichen…Was halten Sie von den Diskussionen rund um die CSR-Berichtspflicht? Welche Auswirkungen  sind zu erwarten?

Es ist sicherlich wichtig transparente Berichterstattung zu dieser Thematik zu verbessern, aber es ist noch viel wichtiger Nachhaltigkeit zur täglichen Entscheidungsgrundlage zu machen. Sonst besteht das Risiko, dass wir zu stark unsere Aktionen auf die Berichterstattung konzentrieren und die längerfristige und fundamentale Richtungsänderung verpassen. 

Als Vizepräsident der ‘Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne’…Welche Rolle kann Ihrer Ansicht nach allgemein akademische Bildung und spezielle Studienrichtungen beim Vorantreiben nachhaltigen Wirtschaftens einnehmen?

Ganz klar, und dies ist auch Teil unserer Ausbildungen. Um Nachhaltigkeit eine Grundlage zu unserer Gesellschaft zu machen, braucht es ein verbessertes Verständnis der Resultate unserer Entscheidungen, es braucht Sustainable Entrepreneurship, es braucht Nachhaltigkeit als Grundlage in Regierungsentscheidungen, und es braucht soziale, wirtschaftliche und technologische Innovation um das Nachhaltigkeit in allen Bereichen umzusetzen, und gerade in der Innovation spielen die akademischen Institutionen eine zentrale Rolle.

In welcher Weise kann jeder einzelne von uns dazu beitragen, die Wichtigkeit und Wertigkeit von Sustainable Entrepreneurship zu steigern?

Wir alle können beitragen wenn wir uns voll des Grades der Nachhaltigkeit unserer Entscheide bewusst sind, und diese daran anpassen. Hier drei Beispiele: Mobilität und die Wahl der nachhaltigsten Optionen; Erneuerung von technologischen Hilfsmitteln, wie zum Beispiel iPhones, muss ich jetzt gerade vom iPhone 5 auf das iPhone 5s umsteigen; Kauf von Nahrungsmitteln, muss ich Sommerfrüchte im Winter essen, die über große Distanzen transportiert werden müssen.

Wie schätzen Sie die Rolle und Position der Schweiz bei der Weiterentwicklung von Sustainable Entrepreneurship ein?

Die Schweiz hat in der Vergangenheit in vielen Bereichen eine Vorbildposition eingenommen, aber dies muss weiter so entwickelt werden und auch über eine Umweltnachhaltigkeit herausgehen.

Welchen Vorteil können Unternehmen daraus ziehen, wenn Sie Sustainable Entrepreneurship umsetzen bzw. in ihr Kerngeschäft integrieren?

Diese Unternehmen, werden dadurch ihre Kerngeschäfte immer mehr von kurzfristigen Entwicklungen entkuppeln, und somit den längerfristigen Erfolg des Unternehmens verbessern. Dazu kommt, dass in der heutigen Erwartungshaltung der Gesellschaft die Aspekte des nachhaltigen Wirtschaften immer wichtiger werden, und somit die Unternehmen dadurch auch die Kundentreue verbessern können, und auch zukünftige Gesetzesänderungen besser vorbereiten können.

Der SEA zeichnet jedes Jahr Unternehmer für außergewöhnliche Projekte aus, mit denen Sustainable Entrepreneurship in der Praxis umgesetzt wird. Was hat Sie überzeugt, diese Idee zu unterstützen?

Da das volle Verständnis für Sustainable Entrepreneurship immer noch fehlt, ist es sehr wichtig durch diese Auszeichnung beste Beispiele zu publizieren und aufzuzeigen wie wichtig dies ist und wie weit dies auch den Erfolg der Unternehmen unterstützt.

Und letzte Frage: Was ist das beeindruckendste Beispiel für Sustainable Entrepreneurship, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Es gibt sehr viele, aber für mich bleibt ein sehr wichtiges Beispiel die Zusammenarbeit zwischen multinationalen Firmen im Rahmen von nachhaltiger Agrikultur in Entwicklungsländern mit Beispielen wie: neuen Mechanismen um den Bauern zu helfen zu günstiger Finanzierung zu kommen und sich gegen Unwetterverluste zu versichern; besserer Zusammenarbeit zwischen den Bauern und den Endbenutzern um bessere Planungssicherheit zu gewährleisten und auch die Kosten von zu vielen Zwischenhändlern zu reduzieren; Unterstützung in den Ländern der Bauern um ihre Rechte zu verbessern.