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Alojz Peterle

EU-Parlamentarier

Mit dem sea zeichnet der Verein für Sustainable Entrepreneurship herausragende Projekte im Bereich Sustainable Entrepreneurship aus. Was hat Sie bewogen, der Jury der sea beizutreten?

Es gibt zwei Gründe: der Name von Herrn Fischler, den ich schon seit langem sehr achte; der zweite ist, dass ich an Sustainable Entrepreneurship glaube.

Was bedeutet für Sie persönlich Sustainable Entrepreneurship?

Der beste Weg, zu wachsen.

Warum brauchen wir Sustainable Entrepreneurship?

Weil es die beste Garantie für Wachstum und Stabilität ist.

Wie verankert ist das Prinzip des Sustainable Entrepreneurship heute bereits in den Köpfen der Menschen, aber vor allem im Handeln der Unternehmen?

Es ist nicht tief genug verankert und deshalb benutzen wir oft Abkürzungen, ohne die Prinzipien für Wachstum zu respektieren.

Es hat den Anschein, als wäre Sustainable Entrepreneurship im Allgemeinen nach der Krise noch wichtiger geworden. Teilen Sie diese Meinung? Und warum führen oftmals erst Krisen zu Bewusstseinsänderungen, sowohl in der Wirtschaft, wie auch in Politik und Gesellschaft?

Da stimme ich vollkommen zu. Es stimmt leider, dass unser Bewusstsein viel mehr von Katastrophen beeinflusst wird als von vorsorgeorientiertem Wissen.

Wenn man Sustainable Entrepreneurship als großes, gemeinsames Anliegen sieht, so gibt es auf der anderen Seite den starken Trend zum Individualismus, zur „Ich-AG“, zum Nationalismus. Woher kommt dieser Widerspruch? Und wie können wir ihn auflösen?

Dieser Widerspruch basiert auf dem Mangel an ganzheitlichem und organischem Verständnis, wie diese Welt und ihre Gesellschaften funktionieren. Wenn wir den Grundpfeiler der EU – Respekt für die Menschenwürde – wirklich ernst nehmen, müssen wir anerkennen, dass jede Würde gleich wichtig ist. Das bedeutet, dass „ich“ denselben Wert hat wie „du“. Und es gibt kein „wir“ ohne „du“ und „ich“. Wir können nicht den Menschen in den Mittelpunkt stellen, ohne seine umfangreiche, soziale Natur zu berücksichtigen.

Welche Branchen sehen Sie als besonders vorbildlich an, wo sehen Sie noch deutlichen Aufholbedarf in Bezug auf Sustainable Entrepreneurship?

Es geht nicht um Branchen, sondern um die Einstellung der Unternehmer.  Ich habe den besten Unternehmergeist in den KMUs angetroffen, aber das bedeutet nicht, dass er auf diese oder auf die sogenannte „grüne Branche“ beschränkt ist.

Politik, Wirtschaft, Gesellschaft – wer sollte die treibende Kraft im Prozess rund um Sustainable Entrepreneurship sein?

Anschließend an meine vorherigen Statements denke ich, dass wir an vielen Fronten gleichzeitig agieren müssen. Ich glaube auch, dass wir viel mehr soziale Innovationen brauchen – das beschränkt sich nicht nur auf die Verbesserung von Sozialleistungen, sondern umfasst auch, das Funktionieren der Gesellschaft zu verbessern um gemeinsame Ziele und jene der einzelnen Branchen zu erreichen. 

Wie kann jeder einzelne persönlich beitragen, dass Sustainable Entrepreneurship noch mehr an Bedeutung gewinnt?

Durch ihre/seine persönlichen Handlungen, durch Networking und den Willen zusammenzuarbeiten. 

Wie kann man verhindern, dass SE-Maßnahmen nicht reines „Greenwashing“ sind? Welche Maßnahmen und Methoden sind dazu intern anzuwenden?

Bei Sustainable Entrepreneurship geht es nicht um Slogans, sondern um Handeln – zu allererst müssen eine positive Atmosphäre und ein gutes Klima gewährleistet werden.

Welche Rolle spielen die MitarbeiterInnen im SE-Prozess?

Sie sollten sich auch als EigentümerInnen fühlen und Spaß daran haben. Es gibt keine Sustainable Entrepreneurship ohne die Kreativität und Mitverantwortung der Mitarbeiter.

Zum Schluss eine persönliche Frage: Welches SE-Projekt ist Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben – und warum?

Ich bewundere, wie Pipistrel (ein slowenischer Betrieb mit Sitz in Ajdovščina – das innovativste Unternehmen Europas 2010) die besten Ultraleichtflugzeuge der Welt herstellt – denn sie folgen den Prinzipien des Wachstums mit großem innovativen, umweltbewusstem und sozialem Geist.