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Alexandra Adler

Wiener Landessprecherin der CSR-Expertsgroup der Fachgruppe UBIT der WKO

Mit dem SEA – Sustainable Entrepreneurship Award werden herausragende Projekte im Bereich Sustainable Entrepreneurship ausgezeichnet. Was denken Sie über diese Initiative?

Meiner Meinung nach ist es extrem wichtig, herausragende Projekte und Unternehmen vor den Vorhang zu holen: Einerseits, um sie auf ihrem Weg zu bestärken und zu unterstützen, andererseits, um sie als Vorbild und Inspiration für andere zu präsentieren.

Was hat Sie veranlasst, Mitglied der SEA-Jury zu werden?

Als Nachhaltigkeitsexpertin und Beraterin bin ich natürlich immer an neuen Ideen und Modellen interessiert! Die Teilnahme in der Jury bietet mir Möglichkeit, Projekte, die einen großen sozialen und/oder ökologischen Mehrwert erwarten lassen, zu fördern – duch das Preisgeld, aber auch durch Bekanntheit und Öffentlichkeit.

Was verstehen Sie persönlich unter Sustainable Entrepreneurship?

Unternehmen und Organisationen, die ihre Daseinsberechtigung darin sehen, ihre Macht und Hebel sorgsam, respektvoll und mit einem gesellschaftlichen Mehrwert einsetzen. Ich halte die (Weiter)entwicklung von Geschäftsmodellen, die über umweltfreundliches oder sozial verträgliches Wirtschaften hinaus messbar positive Auswirkungen auf Natur und Menschen haben, für erfreulich und dringend notwendig. Die Unternehmerin, der Unternehmer profitiert auch persönlich - von steigender sozialer Kompetenz und beruflicher Sinnerfüllung.

Warum benötigen wir Sustainable Entrepreneurship?

Um unseren Planeten und unsere Gesellschaft als lebenswerte Orte  zu erhalten!

Wie verankert ist das Prinzip der Sustainable Entrepreneurship heute bereits in den Köpfen der Menschen, aber vor allem im Handeln der Unternehmen z.B.: in China?

Obwohl der Anteil nachhaltiger Unternehmen steigt, sind diese meiner Meinung nach noch immer eine “Nische”. Jede Gelegenheit, Aufmerksamkeit zu erregen und Bewusstsein zu schaffen ist also willkommen!

Es hat den Anschein, als wäre Sustainable Entrepreneurship im Allgemeinen nach Krisen noch wichtiger geworden. Warum führen oftmals erst Krisen zu Bewusstseinsänderungen, sowohl in der Wirtschaft, wie auch in Politik und Gesellschaft?

Jene Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich und ihr Unternehmen als in die Gesellschaft eingebettet verstehen und in regelmäßigem Austausch mit ihrer Umwelt sind, können Krisen als Weckruf verstehen: Sie sind Betroffene, erkennen aber auch ihre Mitverantwortung und wollen lösungsorientiert weiter arbeiten.

Würden Krisenursachen rechtzeitig erkannt UND entsprechende Verhaltensänderungen zeitnah eingeleitet bzw. Zielsetzungen abgeändert werden, bräuchte es die Krise nicht mehr! Von einer Bewusstseinsänderung im großen Rahmen sind wir aber immer noch weit entfernt!

Politik, Wirtschaft, Gesellschaft – wer sollte die treibende Kraft im Prozess rund um Sustainable Entrepreneurship sein?

Politik sollte Rahmenbedingungen und Anreizsysteme schaffen, die Industrie muss die Entwicklung anschieben – mittels ihrer Kompetenzen und ihrer Innovationskraft. Der Gesellschaft kommt sie Aufgabe zu, sich bemerkbar machen, ihre Anliegen klar  und verständlich aufzuzeigen. Nur so werden Zusammenhänge und Bedürfnisse erkennbar.

Ein Zusammenspiel aller AkteurInnen ware wünschenswert – von Politik und Industrie erwarte ich jedenfalls großen Weitblick!

Auf welche Weise kann jeder Einzelne von uns zur Unterstützung von Sustainable Entrepreneurship beitragen?

Darüber reden - Zusammenhänge sichtbar machen, gesellschaftliche Auswirkungen und Bedürfnisse thematisieren, Alternativen aufzeigen und gute Beispiele vor den Vorhang holen!

Wie kann verhindert werden, dass Maßnahmen für Sustainable Entrepreneurship nichts weiter als ein grünes Mäntelchen sind? Welche interne Maßnahmen und Methoden müssen angewandt werden?

Alle unternehmerischen Anstrengungen müssen authentisch und konsequent sein: Entlang des Kerngeschäfts, mittels der eigenen Kompetenzen und mit den möglichen und tatsächlichen wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen im Blick.

Bewusstseins- und Kompetenzbildung innerhalb der Organisation sowie  Bestimmung der Wesentlichkeit und der Wirksamkeit von Maßnahmen helfen dabei, Vertrauen aufzubauen.