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Dr. Michael Hopkins, GB

Vorsitz und Partner MHCInternational Ltd (MHCi)

Was verstehen Sie persönlich unter Sustainable Entrepreneurship?

Darunter verstehe ich einen Profit, der sich auf den privaten Sektor positiv auswirkt und für staatliche Institutionen eine Verbesserung der Effizienz mit sich bringt. Beide „Institutionen“ müssen ihre Interessensgruppen mit sozialem Verantwortungsbewusstsein und im Sinne der Nachhaltigkeit behandeln.

Wie fest ist diese Einstellung Ihrer Ansicht nach in der Gesellschaft, aber vor allem in den Köpfen der Unternehmer verankert?

Die meisten Unternehmer haben eine spezielle Idee und nehmen an, dass sie damit Gutes tun. Die nötige Anstrengung, um alle wichtigen Interessensgruppen verantwortungsbewusst zu behandeln, stellt jedoch nur einen Anfang dar. Meine Meinung dazu in globaler Hinsicht ist aus der untenstehenden Graphik ersichtlich (verzeihen Sie, wenn ich CSR für alles als Konzept verwende – ich definiere übrigens CSR als den Prozess, mit dem man das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung erreichen kann).

Sie waren bei den Vereinten Nationen tätig (ILO), waren Universitätsprofessor für Unternehmens- und Sozialforschung an der Middlesex University, und sind Gründer der CSR-Programme an der Genfer Universität. Derzeit sind sie außerordentlicher Professor für CSR an der George Mason University und CEO von MHCi International. Welche Rolle haben Ihre Tätigkeiten dabei gespielt, sich für Sustainable Entrepreneurship einzusetzen?

In allen meinen Aufgaben und Publikationen habe ich mich darauf konzentriert, das Leben von benachteiligten Menschen zu verbessern, die sich nur die allernotwendigsten Dinge des Lebens leisten können, und Arbeitsplätze zu schaffen, wobei gleichzeitig die Verantwortung von Unternehmen in Bezug auf Soziales, Wirtschaft und Umwelt berücksichtigt wird. Durch meine Arbeit, Lehr- und Beratungstätigkeit in über 120 Ländern der Welt habe ich mich darauf konzentriert, Chancen für benachteiligte Menschen zu schaffen. Die Entwicklung des privaten Sektors, vor allem in Bezug auf den Bereich KMUs, wo die meisten Arbeitsplätze geschaffen werden, war mir ein besonderes Anliegen. In meinem ganzen Leben habe ich mich dafür eingesetzt – entsprechend meiner bereits gegebenen Definition von Nachhaltigkeit – einen Profit zu erzielen und gleichzeitig Gutes zu tun. Eine Geschäftstätigkeit, bei der kein Gewinn erzielt wird, ist sinnlos. Das Gleiche gilt für den Non-Profit-Bereich, wenn keine Verbesserung der Effizienz erreicht wird. Wenn wir der Meinung sind, dass diese Methoden die Grundlage für Sustainable Entrepreneurship bilden, stimme ich dieser Idee zu 100% zu und deshalb haben meine Bemühungen dazu beigetragen, SE weltweit zu fördern. Vor Kurzem haben 250 Senior Führungskräfte ihr CSR-Studium an der Genfer Universität bei mir abgeschlossen und werden nun in der ganzen Welt an wichtigen Positionen eingesetzt. Ich bin stolz auf sie und hoffe, dass sie viele CSR- und Nachhaltigkeitskonzepte in ihre Arbeit aufgenommen haben. Wenn auch heute ein Dutzend CR Meetups stattfinden, die ich in verschiedenen Hauptstädten gegründet habe, und obwohl ich mit Kollegen das CSR and Financial Institute gegründet habe, setzen wir unsere Arbeit weiterhin auf der ganzen Welt fort.

Wie beeinflusst die Diskussion über die Verpflichtung eines CSR-Reporting die Unternehmen? Welche Auswirkungen haben wir zu erwarten? Wie wichtig ist das Thema der CSR-Messung in der Debatte?

Sie stellen mir jetzt Fragen, für deren Beantwortung ich ein ganzes Buch schreiben könnte... Ich möchte jetzt hier nicht arrogant klingen, aber ich versuche, solche Fragen über unseren online-Kurs über CSR zu beantworten, den ich eingeführt habe, sowie mit dem Textbuch, das ich über CSR und Nachhaltigkeit für den Springer Verlag geschrieben habe, und das von SEA verwendet wurde. Kurz gesagt sind CSR und Nachhaltigkeits-Reportings in vielerlei Hinsicht ein „trojanisches Pferd“ insofern, als sobald Unternehmen oder Institutionen einen solchen Weg einschlagen, sie gezwungen sein werden, ihre Tätigkeiten zu überdenken und werden dann die „Welle“ nicht stoppen können, weil sie dazu angehalten werden, verantwortungsbewusster und nachhaltiger zu handeln. Sie werden nach und nach feststellen, dass sie durch diese beiden Ideen entweder mehr Gewinn machen oder effizienter werden, jedoch auch als Institutionen mehr geachtet werden ... eine Win-Win-Situation. Selbstverständlich müssen sie sicherstellen, dass diese Tätigkeiten auf jeden Fall profitabler oder effizienter sind als in der Vergangenheit, da sie ja die Institution, die sie gegründet haben, nicht zunichte machen wollen. Sie müssen daher KPIs (Leistungskennzahlen) einführen, um die Auswirkungen der Entscheidungen beobachten zu können. Die Frage ist also nicht, ob KPIs wichtig sind – die Mathematiker sagen, dass sie sowohl notwendige als auch zufriedenstellende Bedingungen für die gute wirtschaftliche Situation einer Institution darstellen.

Wie sehen Sie die Rolle von UK und die Position des Landes in Bezug auf die Weiterentwicklung von Sustainable Entrepreneurship?

Ich bin zwar Engländer, habe aber überall auf der Welt gelebt. Derzeit teilt sich mein Leben zwischen Europa (hauptsächlich in Genf, in der Schweiz) und Afrika (Nairobi, Kenia) auf, obwohl ich früher zeitweise auch in Südamerika, Asien und in den USA gelebt habe. Daher ist England, einem Land, das ich sehr mag, nur eines der Länder, in denen ich arbeite. Aber um Ihre Frage zu beantworten: Ich glaube, dass England gemeinsam mit den skandinavischen Ländern und selbstverständlich auch mit Österreich in Bezug auf SE und CSR zu den führenden Ländern gehört. Möglicherweise werden dort dafür unterschiedliche Bezeichnungen verwendet und ich fürchte schon, dass die Konzepte für CSR und Nachhaltigkeit zerfallen könnten, wenn wir weiterhin immer wieder neue Bezeichnungen einführen anstelle unsere aktuellen Konzepte zu verfeinern, da sich ja die Zeiten und die entsprechenden Erfahrungen ändern. Ich habe dieses Phänomen als Wachstum mit gleichzeitigem Zerfall beschrieben. Aber ich habe keine Angst, dass sich SE nicht weiter entwickelt, vielleicht wird sich dann die Bezeichnung ändern – obwohl ich feststelle, dass aktuell 1.6 Milliarden Menschen in Indien von CSR total begeistert sind. Ihre Ideen werden sich auch auf die „älteren“ Staaten auswirken, aber vergessen wir nicht, dass Intellektuelle in den USA den CSR-Gedanken entwickelt haben und dass bei den Vereinten Nationen unter der Leitung einer Schwedin erstmals von „nachhaltiger Entwicklung“ gesprochen wurde. Eine tolle Sache!

SEA vergibt jährlich Preise an Unternehmer für außergewöhnliche Projekte, mit deren Hilfe Sustainable Entrepreneurship in der Praxis angewendet werden kann. Was hat Sie veranlasst, diese Idee zu unterstützen?

Um ehrlich zu sein: Mein Hauptinteresse gilt einem systematischen CSR-Ansatz bei vielfältigen Interessensgruppen, sowohl bei Unternehmen als auch bei öffentlichen Institutionen. SE ist in vielerlei Hinsicht ein Teilbereich von CSR, der auf diese Art und Weise ausgedrückt wird. Aber das Großartige an SE besteht darin, dass SE eine praktische Umsetzung des wunderbaren CSR-Gedanken ist, deshalb interessiere ich mich für SE und unterstütze die Initiative. Eine Gefahr für SE stellt auch der eigene mögliche Erfolg dar. Warum sollte jemand ein Unternehmen gründen, wenn es nicht nachhaltig ist, nämlich auch in ferner Zukunft weiterbestehen wird?

Inwieweit kann jeder von uns dazu beitragen, die Bedeutung und den Wert von Sustainable Entrepreneurship zu unterstützen?

Jeder trägt in unterschiedlicher Weise dazu bei - meine persönliche Philosophie ist „Lasst die Blumen blühen“, ein Wort, das tragischerweise einer Person zugeschrieben wurde, die genau das Gegenteil getan hat – Mao Tse Tung. Also machen wir es genau umgekehrt!

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Welches SE-Projekt ist für Sie das allerwichtigste, von dem Sie je gehört haben, und warum?

Die Mathare Youth and Sports Association, die sich um Kinder aus den ärgsten Slums auf der Erde – Mathare in Nairobi – kümmert und ihnen durch Sport Hoffnung und Entwicklungsmöglichkeiten gibt. Seit der Gründung dieser Vereinigung http://www.mysakenya.org/ verfügt MYSA jetzt über 140 Spielklassen und 25.000 aktive Buben und Mädchen innerhalb von mehr als 1800 Teams. Vergangene Woche konnte ich mich selbst davon überzeugen, denn Kenia hat hier in Nairobi den CECAFA-Cup von 13 internationalen Teams gewonnen, wobei sowohl Tansania als auch Sambia auf ihrem Weg zum Finale besiegt wurden. Drei stolze ex-Mathare Slum-Kinder spielten für Kenia. Ich haben den Slum besucht und nun spielen schon Fußballer aus Mathare in europäischen Top-Profi-Ligen mit.

Ich freue mich, hier anzumerken, dass ein junger Bursche aus den Slums, der dort auch zur Schule ging und Fußball spielte, CEO von MYSA wurde und meinen CSR-Kurs in Genf besuchte (wo ich ihn kennenlernte) und heute ein prominentes Mitglied der kenianischen Gesellschaft ist, das SE sowohl in Afrika als auch weltweit fördert und zu meinem Glück auch ein treuer Fan meines CSR and Financial Institute in Afrika ist...er heißt Peter Karanja und der Mann, der MYSA vor 27 Jahren gründete und auf dessen Freundschaft ich stolz bin ist, ist Bob Munro – sie sind beide „social entrepreneurs“ par excellence!