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Jane Goodall, Ph.D., DBE, GB

Gründerin des Jane-Goodall-Instituts & UN-Friedensbotschafterin

Sie reisen jährlich beinahe 300 Tage rund um die Welt, um darüber zu reden, dass es notwendig ist, Veränderungen zu bewirken und – wie sie sagen – eine Welt zu „schaffen“, in der wir in Harmonie mit der Natur leben können. Was ist im Verhältnis der Menschen zur Natur schiefgelaufen?

Als unsere Vorfahren, die Jäger und Sammler, damit begannen Getreide anzubauen und lernten, wie man in Zeiten des Überflusses Vorräte anlegt, haben sie schrittweise immer mehr Land urbar gemacht. Seit diesen fernen Zeiten haben die Menschen die Natur mit immer größerer Geschwindigkeit zerstört. Die Industrielle Revolution hat diese Zerstörung nochmals beschleunigt. In der Zwischenzeit ist die Weltbevölkerung andauernd gestiegen und so leben heute mehr als sieben Milliarden Menschen auf unserem Planeten und wir stehen vor einer ökologischen Krise. Überall verschwinden Lebensräume, Tier- und Pflanzenarten. Mutter Natur hält viel aus, aber die Zeit, in der ihr Zustand so schlecht sein wird, dass sie sich nicht mehr selbst heilen kann, nähert sich rasch. Wir haben die Wahl: Wir können Maßnahmen ergreifen, um die Ressourcen unseres Planeten zu schützen, oder wir können so wie bisher weitermachen und noch mehr Kinder in eine kränkelnde Welt setzen.

Welche Art von Änderung ist notwendig, um eine bessere Welt zu schaffen?

„Wir brauchen eine völlig neue Denkweise, wenn die Menschheit überleben soll“, schrieb Albert Einstein. Er verstand was Mahatma Gandhi meinte, als er sagte: „Der Planet kann die Bedürfnisse aller Menschen befriedigen, aber nicht die Gier aller Menschen stillen.“ Nur wenn wir diesen weisen Stimmen Aufmerksamkeit schenken, können wir die Dinge ändern. Ich hoffe immer noch, dass wir das werden.

Wie tief ist diese Einstellung im Denken und besonders im Handeln der Menschen verankert?

Eine wachsende Anzahl von Menschen hat erkannt, dass es notwendig ist, natürliche Ressourcen zu schützen und hat begriffen, dass es unsere eigene Zukunft betrifft, wenn wir Tiere und Ökosysteme zerstören. Dazu gehören immer mehr Unternehmensleiter, die erkannt haben, dass die Rohstoffe zur Neige gehen, die sie für ihre Unternehmen aus Entwicklungsländern beziehen. Dieses Wissen und Verständnis sind so wichtig, denn wie ich so oft sage: „Nur wenn wir verstehen, sorgen wir uns: nur wenn wir uns sorgen, werden wir helfen: nur wenn wir helfen, wird alles gerettet werden.“ Tatsächlich finden heutzutage ethische Werte Eingang in die Wirtschaft. Immer mehr Leute machen sich für die Armen stark und die Idee des Fair Trade wurde geboren. Und ja, die Natur hält erstaunlich viel aus, wenn wir ihr eine Chance geben.

1991 haben Sie Roots & Shoots gegründet, ein globales Programm für Jugendliche. Stimmt es also, dass es für sie sehr wichtig ist, junge Leute zu erreichen?

Ja, tatsächlich lege ich meine ganze Hoffnung in die enorme Energie, die Begeisterung und das Engagement junger Menschen auf der ganzen Welt. Sie reißen die Hürden nieder, die wir zwischen Ländern, Religionen, Nationen und besonders zwischen uns selbst und der Natur errichtet haben. Sie schließen sich zusammen, finden eine Stimme und sind entschlossen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Es braucht eine kritische Masse junger Menschen – die zukünftigen Eltern, Lehrer, Rechtsanwälte, Politiker usw. –, die verstehen, dass obwohl wir Geld zum Leben brauchen, wir nicht für das Geld leben sollten.

Warum glauben Sie, ist der SEA eine großartige, unterstützenswerte Initiative?

Ich schätze und unterstütze solche Initiativen wie den SEA sehr. Er steigert das Bewusstsein für solche Themen und wird hoffentlich eine internationale Bühne finden. Ich wünsche Christina Weidinger für dieses großartige Projekt alles Gute. Möge diese Idee unseren Geist ändern, mehr Leute dazu bringen Verantwortung zu übernehmen und mit geballter Kraft unsere Welt zu einem besseren Ort für unsere Kinder und Enkelkinder und alle zukünftigen Generationen zu machen.

Sie schenken Hoffnung und ermutigen die Menschen dazu, ihr Möglichstes zu tun, um eine bessere Welt zu schaffen. Was kann jeder Einzelne von uns dazu beitragen?

Einerseits erheben die ihre Stimmen, die den Gewinn über die Interessen zukünftiger Generationen stellen; jene, die daran glauben, dass unbegrenztes Wirtschaftswachstum für jedes Land unbedingt notwendig ist. Es gibt Millionen uninformierter Menschen, die ihnen zustimmen. Und obwohl es unzählige Menschen gibt, die erkannt haben, dass unbegrenztes Wirtschaftswachstum auf einem Planeten mit endlichen Rohstoffen auf die Dauer nicht tragfähig ist, sagen und tun sie nichts, weil sie sich weigern, ihren bequemen Lebensstil zu ändern – oder weil sie sich hilflos fühlen.

Es ist wichtig, dass wir erkennen, dass jeder Einzelne von uns seinen Beitrag leistet – und das jeden Tag. Wenn jeder von uns wenige Augenblicke über die Konsequenzen nachdenkt, die unsere Entscheidungen mit sich bringen – was wir kaufen, essen, tragen, im Alltag benutzen – dann wird die kumulierte Auswirkung auf den Planeten enorm sein. Wissen und Verständnis: harte Arbeit und Beharrlichkeit: Liebe und Mitgefühl. Mit diesen Mitteln, die Herz und Hirn miteinander in Einklang bringen, können wir gemeinsam die Welt heilen.