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Arzu Tekir, M.A., TR

Geschäftsführerin EMBARQ TÜRKEI, Verband für nachhaltigen Personenverkehr

Was verstehen Sie persönlich unter Sustainable Entrepreneurship?

Sustainable Entrepreneurship bedeutet, neue Wagnisse einzugehen, die auf einem tiefen Verständnis der Art und Weise beruhen, wie sich soziale, finanzielle und ökologische Systeme überschneiden. Die  demografische Dynamik und der ökologische Druck, die von Wirtschaftstätigkeiten verursacht wurden, fordern nun seit einigen Jahren ihren Tribut. Vorhersagen zufolge wird die Weltbevölkerung bis 2050 die 9 Milliarden-Grenze erreichen und ein Großteil dieser Menschen wird in den Städten der Entwicklungsländer leben.

Die derzeitigen Produktions- und Verbrauchsmuster schädigen bereits die begrenzten natürlichen Ressourcen unserer Welt.  Wir müssen diesen Trend steuern und verhindern; wir müssen das Gleichgewicht zwischen Wirtschaftstätigkeit und natürlichen Ressourcen herstellen. Deshalb sollten wir Nachhaltigkeit sehr ernst nehmen. Die Qualität unseres Lebens und des Lebens künftiger Generationen hängt von unserem Erfolg in diesem Bereich ab.

Wie fest verankert ist Sustainable Entrepreneurship bereits in den Köpfen der Menschen und vor allem in der Handlungsweise der Unternehmer?

Das Bewusstsein steigt sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Geschäftswelt. Aber noch nicht genug. Alle Unternehmer, vor allem jene, die KMUs gründen und leiten, müssen begreifen, dass Nachhaltigkeit nicht nur ein Luxusthema für Großunternehmen ist, sondern ausschlaggebend für den Erfolg jedes Unternehmens, für kleine und für große.

Welche Wirtschaftszweige tun Ihrer Meinung nach das Meiste im Sinne von Sustainable Entrepreneurship und welche Branchen müssen in dieser Richtung noch viel tun?

Es ist gut zu sehen, dass sich viele Unternehmen im privaten Sektor dieses Themas bewusst sind. Die Türkei hat im vergangenen Jahr eindrucksvolle Nachhaltigkeitsprojekte verschiedener Unternehmen und öffentlicher Organisationen beim Rio + 20-Gipfel vorgelegt. Manche Wirtschaftszweige sind bei ihren Bemühungen um nachhaltige Themen anderen voraus. Die Sektoren Zement, Automobil und Energie sowie das Bauwesen haben bedeutende Fortschritte in diesem Bereich gemacht. Auch im Einzelhandel und in der sich rasch wandelnden Güterindustrie sieht man Bewegung. Ich glaube, dass andere Branchen bald nachfolgen werden.

Was muss getan werden, um mehr Bewusstsein in der Gesellschaft und in der Wirtschaft zu erreichen?

Das soziale Bewusstsein ist in diesem Bereich gestiegen. Die Verbraucher sind bereit, einen Beitrag zu Nachhaltigkeit zu leisten, und unterstützen die Marken, die etwas tun, um sie zu erreichen. Die Wirtschaft erkennt auch, dass Nachhaltigkeit Ressourcen liefert und die Zukunft ihrer Unternehmen sichert.

Was wir tun müssen, um dieses Bewusstsein zu stärken und zu erweitern, ist, die Prinzipien und Werte der Nachhaltigkeit in jedem Aspekt unseres Lebens anzuwenden, da sie die grundlegende Basis für Lebensqualität bilden. Erfolgreiche Projekte werden das Bewusstsein und die Erkenntnis verstärken.

Embarq zum Beispiel beschäftigt sich damit, nachhaltige Lösungen für urbane Fragen, insbesondere für den Verkehr, zu finden. Die Projekte, die wir gemeinsam mit den lokalen Behörden durchführen, um die Qualität des urbanen Lebens zu verbessern, tragen sehr zur Bewusstseinsbildung bei.

Politik, Industrie und Gesellschaft - wer sollte Ihrer Meinung nach die treibende Kraft für eine Weiterentwicklung des Sustainable Entrepreneurship sein?

Es ist ganz offensichtlich wichtig, die gesetzlichen Rahmenbedingungen und das soziale Umfeld zu schaffen, welche die nachhaltige Politik unterstützen und fördern. Daher liegt ein bedeutender Teil der Verantwortung in den Händen der Regierung und der Entscheidungsträger.  Das bedeutet jedoch nicht, dass die Verantwortung ausschließlich bei den Politikern liegt. Die Wirtschaft, die Gesellschaft und insbesondere die NGOs sollten Nachhaltigkeitsprojekte ebenfalls unterstützen und sich bemühen, die Leistungen und das Bewusstsein in diesem Bereich zu steigern.